Berlin : Abfahren mit RTL: Die Skischanze am Brandenburger Tor

Volker Eckert

Zum Wintersport ins Erzgebirge? Nicht nötig – wer will, kann heute am Brandenburger Tor den Hannawald machen und sich von einer Mini-Schanze in die Tiefe stürzen, die der Fernsehsender RTL hat aufbauen lassen. Aber auch für den Rest des Jahres bietet Berlin allerlei alpines Vergnügen (siehe Beitrag rechts).

Routinierte Skispringer sind in Berlin etwa so selten wie Beachvolleyballer in Lappland. Für Unerfahrene empfiehlt sich deshalb, erst mal nur zuzuschauen. Ab circa 11.30 Uhr zum Beispiel den Springwettbewerb. Dort starten mit den beiden RTL-Moderatoren Mirco Nontschew und Markus Lanz zwei ausgewiesene Anfänger. Sie treten auf der 13 Meter hohen Schanze gegen eine Nachwuchsspringer-Equipe aus Bad Freienwalde an. 20 Meter Flugweite gibt die Schanze laut Veranstalter her. Oder ein paar blaue Flecke.

Damit die Veranstaltung auch ein bisschen Oberstdorf-Atmosphäre bekommt, lässt der Fernsehsender lasterweise echten Schnee ankarren. Ein paar Ski(sprung)filme werden auf Leinwand projiziert, Gulaschkanonen und Glühweinstände heizen innerlich ein. Außerdem hat die komplette deutsche Ski-Nationalmannschaft zugesagt. Martin Schmitt, der die Anlage wohl eher als „Schänzle“ bezeichnen würde, und seine Kollegen werden zwar nicht antreten. In Interviews geben die Recken aber Auskunft über ihre Pläne für die Weltmeisterschaft, die bald in Finnland startet. RTL überträgt.

Dem seltenen Besuch einer echten Skischanze in seiner Stadt wird auch der Regierende Bürgermeister seine Referenz erweisen. Klaus Wowereit „schaut kurz vorbei, um die Sportstadt Berlin hochzuhalten“, heißt es aus der Senatskanzlei. Wahrscheinlich hat der Medienpolitiker aber auch noch ein anderes Motiv für den Kurzbesuch und die schnelle Genehmigung der Schanze: Der Nachrichtensender n-tv, eine RTL-Tochter, soll sich mit Abwanderungsgedanken von Berlin nach Köln tragen.

Einen großen Bogen um die Schanze sollten dagegen am Mittwoch die Autofahrer machen. Von voraussichtlich 9 bis 15 Uhr ist die Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor gesperrt.

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