Berlin : Abfahrt ins Leben

Gedenkskulptur für die Rettungstransporte jüdischer Kinder aus Nazi-Deutschland präsentiert

Rita Nikolow
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Zur Erinnerung. Fast 10 000 jüdische Kinder wurden 1938 und ’39 nach Großbritannien gebracht. Foto: ddp

Viel durfte Heinz Kallmann damals nicht mitnehmen: ein Foto, einen Koffer und zehn Reichsmark. Dafür fuhr er in die Freiheit. Der Weg zurück in ein Leben ohne Demütigung und Verfolgung begann für viele jüdische Kinder gestern vor 70 Jahren. An diesem Tag starteten die ersten Transporte nach Großbritannien, die zwischen 1938 und 1939 fast 10 000 Kinder aus Nazi-Deutschland herausbrachten, organisiert von der britischen Regierung, finanziert von der jüdischen Gemeinde in Großbritannien.

„Es war nicht leicht für uns damals, aber wir konnten ein neues Leben beginnen“, sagte er am Sonntag während der Präsentation der ersten Gedenkskulptur, die in Deutschland an die Kindertransporte erinnert. An der Friedrich-, Ecke Georgenstraße stehen jetzt sieben Bronzefiguren, fast menschengroß. Kinder mit ernsten Gesichtern, fünf schauen auf die Friedrichstraße, zwei in die Gegenrichtung. Diese beiden Figuren sind braun, sie stehen für die geretteten Kinder. Die anderen fünf sind schwarz und sollen an die 1,5 Millionen Kinder erinnern, die später in andere Züge einsteigen mussten, mit denen sie nicht in die Freiheit, sondern in die Vernichtungslager gebracht wurden.

Zu jenen, die gerettet wurden, gehört auch der Mann, der die Skulptur geschaffen hat: Frank Meisler stieg im August 1939 am Bahnhof Friedrichstraße in einen der letzten Züge. „Ich hoffe, dass Berlin mit dieser Arbeit zufrieden sein wird“, sagte er. Ähnliche Bronzeskulpturen hat der Künstler bereits in London und Wien aufgestellt. Zu Gast waren am Sonntag neben rund 50 Zeitzeugen unter anderem Polizeipräsident Dieter Glietsch und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke).

Das Denkmal hat in Berlin nicht nur Befürworter: Hermann Simon etwa, der Leiter des Centrums Judaicum, kritisierte gegenüber dem Tagesspiegel das Verfahren. Der Aufstellung sei kein demokratischer Prozess vorausgegangen. Unverständlich findet er auch, dass eine der Figuren einen Judenstern trägt. Der wurde erst 1941 eingeführt. Rita Nikolow

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