Berlin : Abfall-Entsorgung: Trennen und verbrennen

Thomas Loy

Die rot-grüne Regierungskoalition in Berlin hat sich mit der BSR auf ein Abfallkonzept ab 2005 geeinigt. Die Kernpunkte: 1. Die BSR verzichtet auf eine weitere Verbrennungsanlage in Ruhleben. 2. Der überwiegende Teil des Hausmülls - rund 750 000 Tonnen - wird an drei Standorten nach Energieklassen getrennt. 3. Auf der Deponie Schöneiche im Südosten der Stadt wird eine Anlage zur Gewinnung von Industriebrennstoff errichtet.

Das neue Konzept soll noch im Juli vom Senat verabschiedet werden. "Ein weiteres Verschleppen dieses Problems hätte die Stadt in ernste Probleme gebracht", erklärte die umweltpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Almuth Tharan. Der Bau von weiteren Müllverbrennungsanlagen sei damit endgültig vom Tisch. Dennoch kommt Berlin um den Bau neuer Anlagen zur Mülltrennung und -bearbeitung nicht herum. Das Investitionsvolumen beziffert die BSR auf rund 300 Millionen Mark. 150 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

An den BSR-Standorten Lindenhof, Gradestraße und Ruhleben werden so genannte Stoffstromtrennungsanlagen (STAB) gebaut. Dort wird der Müll zerkleinert und je nach Brennwert in drei Fraktionen aufgeteilt. Die "niederkalorische" Fraktion wird in Schöneiche vergärt, um mit dem entstandenen Gas die "hochkalorische" Fraktion am gleichen Standort zu Industrie-Brennstoff aufzuarbeiten. Die "mittelkalorische" Fraktion soll in der bestehenden Anlage in Ruhleben zusammen mit ungefähr 220 000 Tonnen Rohmüll verbrannt werden. Nur noch rund 55 000 Tonnen Reststoffe würden in Schöneiche deponiert - gegenwärtig gehen rund 700 000 Tonnen im Jahr auf die Umlanddeponien. Dieses Modell sei besonders flexibel und könne die Entsorgungssicherheit auch bei veränderten Marktgegebenheiten sicherstellen, sagte Sabine Thümler, Sprecherin der BSR.

Ein Teil des hochkalorischen Mülls wird zu sogenannten Pellets gepresst, die zur Gewinnung von Methanol eingesetzt werden können. Methanol wird zum Beispiel als Kraftstoff für Brennstoffzellen gebraucht. "Das ist die Technik der Zukunft", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Holger Rogall. Eine Methanol-Anlage auf Müll-Basis wird bereits erfolgreich im Sekundärrohstoffverwertungszentrum SVZ in Schwarze Pumpe betrieben. SPD und Grüne würden die Pellets-Herstellung lieber an einem Standort in Berlin sehen, um weitere Transporte nach Schöneiche einzusparen.

Sabine Thümler hält jedoch dagegen. In Berlin sei eine Gäranlage wegen der Geruchsbelästigung nicht günstig - und ohne die Vergärung gäbe es keine Prozessenergie für die Pellets-Herstellung. Zudem liege Schöneiche quasi auf der Strecke nach Schwarze Pumpe. Gespräche mit dem SVZ würden bereits laufen, so Thümler. Kooperationen seien auch mit anderen privaten Entsorgungsbetrieben denkbar.

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