Berlin : Abflug im Umland

Nach der Schließung Tempelhofs sollen kleine Maschinen vor den Toren der Stadt starten und landen

Klaus Kurpjuweit

Es bleibt dabei: Der Flughafen Tempelhof soll nach dem Willen des Senats und der Flughafengesellschaft geschlossen werden, auch wenn er zur Fußball-Weltmeisterschaft nochmals gezeigt hat, was er leisten kann. Weit über tausend Zusatzflüge hat es zur WM gegeben. Und vor allem für das Endspiel wurde Tempelhof zum großen Parkplatz. Über 400 vorwiegend kleine Maschinen waren dort stunden- und manchmal auch tagelang abgestellt. Abgeflogen sind die meisten in der Nacht; das übliche Nachtflugverbot war nur noch Makulatur.

Für die Mitglieder der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT), die den Flugbetrieb aufrechterhalten wollen, hat die WM gezeigt, dass der Cityflughafen für ein solches Großereignis erforderlich sei. Nach einer Schließung gäbe es weder in Schönefeld noch in Tegel genug Kapazitäten, um diesen Flugverkehr aufnehmen zu können. Und auch nach dem Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) werde es nicht möglich sein, diesen Verkehr dort zu konzentrieren.

Flughafensprecher Eberhard Elie kontert: „Die WM war eine Ausnahme, die es in den nächsten Jahren so nicht mehr geben wird.“ Das Luftfahrtkonzept von Berlin und Brandenburg sehe vor, dass in Zukunft kleine Maschinen verstärkt die Landeplätze im Umland nutzen sollen – in Schönhagen im Süden, Strausberg und Finow im Osten. In Schönhagen wird die Landebahn verlängert, in Strausberg laufen dafür die Planungen. Von diesen Landeplätzen solle es bei Bedarf Hubschrauberflüge in die Stadt geben.

Dass das Nachtflugverbot für Tempelhof aufgehoben war, was zahlreichen Anwohnern eine schlaflose Nacht beschert hatte, sei erforderlich gewesen, um den Verkehr am Tag zu entlasten, so Elie weiter. Eine Bevorzugung der Privatflieger habe es nicht gegeben. Und Regierungsmitglieder sowie Staatsgäste dürfen nachts ohnehin fliegen. Nach Ansicht der ICAT kann es in einer Stadt wie Berlin immer Situationen geben, „in denen die Freude der einen die Schlaflosigkeit der anderen bedeutet“. Genauso sei dies aber einer der Gründe, hier zu leben. Und das, obwohl man jeweils nur einen Bruchteil der Freuden einer Metropole selbst miterleben könne.

Protest kam dagegen unter anderem von der Bürgerinitiative Flughafen Tempelhof. Die Schließungsbefürworter bezeichneten das Vorgehen als „hemmungslose Durchlöcherung des Nachtflugverbots“. Wegen des Andrangs am Himmel mussten, wie berichtet, trotzdem Tagesflüge ausfallen. Die Billigfluglinie Easyjet will deshalb klagen.

Was ein moderner Flughafen, wie er in Schönefeld entstehen soll, leisten kann, hat München gezeigt. Dort hat es zur WM insgesamt rund 2000 Zusatzflüge gegeben. Normal sind etwa 1000 Flüge pro Tag. Etwa 200 000 Passagiere mehr hat der Franz-Josef-Strauß-Flughafen bis zum Halbfinale gezählt. Einen Andrang wie auf den drei Berliner Flughäfen zusammen hätte aber auch München wohl nicht bewältigen können, sagte Flughafensprecher Ingo Anspach. Bei großer Nachfrage müssten kleinere Maschinen auf andere Flugplätze ausweichen. In München dürfen ohnehin Maschinen mit weniger als zwei Tonnen nicht landen.

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