Berlin : Abfuhr für ausgezeichnete Quartiersmanager

Das berüchtigte Neuköllner Rollbergviertel wurde zum Vorzeigekiez, doch jetzt ist die erfolgreiche Arbeit der Helfer bedroht

Claudia Keller

Viele schwärmen von der Arbeit des Neuköllner Quartiersmanagers Gilles Duhem und seinem Team: die Bewohner, die Polizei, Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Denn gemeinsam ist es ihnen gelungen, Ruhe ins berüchtigte Rollbergviertel zu bringen. Für ihre Arbeit wurden die Quartiersmanager mit Preisen ausgezeichnet, Prominente unterstützten das Quartiersbüro. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Auftraggeberin der Quartiersmanager, ist weniger gut auf Duhem und sein Team zu sprechen. Es sieht so aus, als könnten die bekanntesten Kiezhelfer dieser Stadt nicht weiter arbeiten.

Der Grund sind unterschiedliche Vorstellungen zwischen Senatsverwaltung und Quartiersmanagern darüber, welche Arbeit mit wie viel Geld zu leisten ist und welche Funktion die Kiezhelfer haben. Duhem und seine zwei Kollegen beklagen, dass die Senatsverwaltung ihnen bei gleichbleibender finanzieller Ausstattung ständig mehr Bürokratie aufbürde, die sie von der eigentlichen Arbeit abhalte. Dies sei mit drei Mitarbeitern und dem kleinen von 60 Bewohnern getragenen Förderverein „Morus 14“ nicht mehr zu leisten. Sie fordern deshalb 25 000 Euro mehr für das nächste Jahr, eine weitere Stelle.

„Dem Senat geht es nur um das Schema F. Es wird nicht gesehen, dass manche Programme in bestimmten Vierteln gar nicht funktionieren, weil die Bevölkerung eine andere ist“, sagt Duhem. Dem Senat gehe es vor allem darum, imer neue Diskussions- und Entscheidungsgremien zu schaffen. Dabei finde die eigentliche Arbeit auf der Straße statt. Er verdiene 44 000 Euro im Jahr, er und seine zwei Mitarbeiter arbeiteten 60 statt der vertraglich vereinbarten 30 Stunden die Woche. Mehr gehe nicht. „Der Senat will nicht verstehen, dass wir nicht die Zuarbeiter der Verwaltung sind. An erster Stelle stehen die Bewohner.“ In einem Brief hält ihm die Senatsverwaltung vor, es fehlten ihm „wesentliche fachliche Voraussetzungen (…) zur Erfüllung der Aufgaben eines Quartiersmanagers“. Das Konzept des Fördervereins für 2007 hat die Behörde nicht angenommen.

„Das Leistungsangebot des Quartiersmanagements Rollbergkiez für 2007 funktioniert so nicht“, begründet Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung die Ablehnung. Finanzielle als auch inhaltliche Fragen hätten nicht gestimmt. Es würden schließlich stadtweit die gleichen Anforderungen an alle Quartiersmanager gestellt. Man habe Duhem und den Trägerverein aufgefordert, ein neues Konzept einzureichen. Daraufhin habe der Verein geschrieben, dass er nicht in der Lage sei, die Arbeit fortzuführen.

Die Bewohner sind sauer, Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bedauert, dass Senatsverwaltung und Quartiersmanager nicht mehr zusammenfinden, seine Vermittlungsversuche haben nichts bewirkt. „Duhem und sein Team sind feste Größen im Quartier, die Menschen stehen hinter ihnen. Wir haben heute im Rollbergkiez eine ganz andere Stimmung.“ Duhem sei eine starke, emotionale Persönlichkeit mit Zivilcourage. Im Übrigen sei die Bürokratie beim Quartiersmanagement wirklich „überbordend“. „Da fragt man sich tatsächlich, wann die ihre eigentliche Arbeit machen sollen.“

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