Berlin : Abgekuppelt

Bauministerium will die Wiedererrichtung des Schlosses beschleunigen. Ein Pro und Contra

Matthias Oloew

Dreizehn Millionen Euro, sagt Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), würde der Bau der Schloss-Kuppel kosten. Eine Summe, die der erklärte Befürworter des schlossähnlichen Baus an der Stelle des ehemaligen Palastes der Republik einerseits gern sparen würde, damit es mit den Arbeiten möglichst rasch losgeht. Andererseits möchte Tiefensee gerne auch die Kuppel, denn was soll an das Schloss erinnern, seine Silhouette sichtbar prägen, wenn nicht der markante Aufbau?

Selbst Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) würde die Kuppel lieber sehen. Allerdings geht es auch ihr darum, den Bau zu forcieren, folglich ist sie zu Kompromissen bereit. Starteten die Arbeiten schon in zwei oder drei Jahren, würde sie sogar auf die von ihrer Verwaltung geplante Grünfläche als Interimslösung verzichten. SchlossFan Wilhelm von Boddien, der es mit der Barock-Fassade sehr genau nimmt, aber bei der originalgetreuen Errichtung des Gesamtgebäudes großzügiger ist, übt sich in Pragmatismus: „Der Bundestag hat den Bau der Kuppel nie beschlossen.“

Das stimmt. Das hat das Parlament, in letzter Konsequenz Bauherr des Projektes, nie getan. Aber dennoch haben seit Jahren alle Befürworter des Schloss-Aufbaues die Öffentlichkeit mit Simulationen versorgt, in denen das Gebäude mit den rekonstruierten Fassaden und eben auch mit Kuppel zu sehen ist. Aber jetzt, wo es darum geht, allen teuren Ballast abzuwerfen, um beim Bund möglichst viele Millionen für das Projekt loszueisen, steht ausgerechnet die Kuppel auf der Streichliste.

Tatsächlich wird sie für die künftigen Nutzer kaum Sinn haben. Die Staatlichen Museen, die aus Dahlem nach Mitte ziehen sollen, genauso wie die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität oder die Landesbibliothek, brauchen die Kuppel nicht. Sie ist Schmuckwerk, das später gebaut werden könne, sagt Senatorin Junge-Reyer. Das wäre dann die Fortsetzung der aktuellen Diskussion um den Hauptbahnhof: das Glasdach könnte nachträglich noch verlängert werden …

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