Abgeordnetenhauswahl : Was die Wahl spannend macht

Endet das rot-rote Jahrzehnt? Schaffen es die Grünen auf Platz zwei – oder gelingt das der CDU? Kommen die Piraten ins Parlament? Am Sonntagabend gibt es darüber Gewissheit. Vorher verraten Prominente, was sie an dieser Wahl besonders reizvoll finden.

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Mit Schwung in den Endspurt. Bis zum heutigen Sonntagnachmittag um 18 Uhr können die Berlinerinnen und Berliner durch ihre Stimmenabgabe über die politischen Mehrheitsverhältnisse in der Stadt entscheiden.s
Mit Schwung in den Endspurt. Bis zum heutigen Sonntagnachmittag um 18 Uhr können die Berlinerinnen und Berliner durch ihre...Foto: Fabrizio Bensch/Reuter

Jetzt wird’s ernst. Am heutigen Sonntag haben die Berliner die Wahl, wer in den kommenden fünf Jahren die Stadt regiert. Spannend ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Beteiligung. Bei der Abgeordnetenhauswahl vor fünf Jahren machten 58 Prozent der Berliner ihr Kreuz – so wenige wie nie zuvor. Die Jugendverbände von SPD, Grünen und der FDP riefen am Sonnabend gemeinsam die Berliner auf, sich zu beteiligen: „Wer nicht zur Wahl geht, stärkt damit Rechtspopulisten und die Nazis.“ Angeblich drückt Regen die Wahlbeteiligung, aber erwiesen ist das nicht. Laut dem Wetterdienst Meteogroup ist die Chance, trocken zum Wahllokal zu kommen, am späten Vormittag am größten.

Dass diese Wahl trotz eindeutig scheinender Trends längst nicht gelaufen ist, zeigt die Tagesspiegel-Umfrage am Samstag. „Was ist für Sie die spannendste Frage an dieser Wahl?“, wollten wir von Berlinern bei einer Straßenumfrage in Schöneberg wissen – und haben auch Prominente aus Kultur, Sport und Wirtschaft befragt.

Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius („Mein Jahr als Mörder“) ist gespannt, „ob die Linke endlich eins auf den Deckel kriegt und Wowereit uns endlich einen Kultursenator spendiert“. Die Autorin Inge Deutschkron, die in Büchern wie „Ich trug den gelben Stern“ ihre Erfahrung als Jüdin unter den Nazis geschildert hat, verfolgt „mit besonderer Wut im Bauch, wie die NPD abschneiden wird“. Sie verstehe nicht, warum die rechtsextreme Partei nicht verboten werde.

Dem Eishockey-Profi Sven Felski, der in den vergangenen Jahren fünf Mal mit den Eisbären Deutscher Meister wurde, liegt besonders die Bildung am Herzen: „Die spannendste Frage für mich ist, ob die Versprechungen der Parteien, für Verbesserungen an den Schulen zu sorgen, nach der Wahl umgesetzt werden.“

Die Künstlerin, Autorin und Regisseurin Ziska Riemann, deren aktueller Film „Lollipop Monster“ derzeit im Kino läuft, interessiert besonders, „ob es die Piraten schaffen, aus dem Nichts ins Abgeordnetenhaus zu kommen“. Und sie sei neugierig, „wie es mit den Grünen weitergeht und ob sie halten, was sie versprochen haben, oder ob sie sich nach der Wahl weiter anpassen und salonfähig werden“.

Der Pianist und Bandleader Andrej Hermlin, der der Linken nahesteht, hofft, „dass doch noch ein Wunder geschieht und Rot-Rot bleibt“. Gespannt ist er, „ob eine völlig sinnfreie Partei wie die Piraten genug Stimmen bekommt“, um ins Parlament einzuziehen. Der Erfolg der Piraten – und die Frage, zu wessen Lasten er geht – interessierte auch viele Passanten.

Der Autor und Comiczeichner Gerhard Seyfried ist „ein wenig gespannt, ob gewisse Parteien, die kaum jemand mehr braucht, auch bei uns verschwinden“, sagt er – und meint die FDP.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, hütet sich, Partei zu ergreifen, aber hofft auf große Beteiligung, „damit radikale Parteien klein gehalten werden“.

Puhdys-Musiker Peter Meyer, der am Müggelsee wohnt, sagt: „Ich bin gespannt, wie es für die SPD läuft. Hoffentlich gewinnt Wowereit klar. Dann hat er die Macht und die Möglichkeit, bei den Flugrouten einzugreifen, die für den Berliner Südosten bisher so ungerecht sind.“

Der Musiker, Alleinunterhalter und Comiczeichner Fil („Didi & Stulle“) findet „das Spannendste an dieser Wahl die Frage, warum die Grünen mit Plakaten werben, auf denen eine Sprechblase mit dem Text ‘Da müssen wir ran‘ auf Renate Künasts Busen zeigt“. Er frage sich, was ihm die Plakate sagen sollen, und findet: „Da müssen wir nicht ran.“

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