Berlin : Abgeschoben und zurückgekehrt – ab jetzt geduldet

Philipp Lichterbeck

Nazmi Ramadanis Odyssee ist vorerst zu Ende. Der Kosovo-Albaner wurde gestern aus dem Abschiebegefängnis in Frankfurt/Main entlassen. Letzte Woche war seine Abschiebung durch die Berliner Ausländerbehörde wie berichtet gescheitert, weil sich die UN-Übergangsverwaltung im Kosovo, Unmik, weigerte, Ramadani ins Land zu lassen. Ramadani flog daraufhin weiter nach Serbien-Montenegro und von dort nach Frankfurt, wo man ihn wieder in Gewahrsam nahm. Der 55-Jährige kann nun zu seiner schwerkranken Frau und den drei Kindern nach Berlin zurückkehren. Seit fast fünf Monaten war die Familie, die seit 1989 in Berlin lebt, getrennt, weil die Eltern in Abschiebegewahrsam saßen. Frau Ramadani wurde vor zwei Wochen freigelassen.

Die Berliner Innenverwaltung bleibt dennoch dabei, dass der Albaner in den Kosovo zurückkehren müsse. Eine Sprecherin sagte: „Vor der erneuten Abschiebung Herrn Ramadanis muss der Konflikt zwischen der UN-Verwaltung für den Kosovo und den Berliner Behörden geklärt werden. Bis dahin erhält er eine Duldung.“ Die Unmik hatte die Aufnahme Ramadanis abgelehnt, da er ohne seine Familie abgeschoben worden war. Die Berliner Innenverwaltung wertet dies als „Kompetenzüberschreitung“. Sie sieht ihre Haltung durch einen Brief von Bundesinnenminister Otto Schily an den Sondergesandten der UNO in Kosovo, Harri Holkeri, gestärkt. In dem Schreiben vom Dezember 2003 zeigt Schily sich „erstaunt“ darüber, dass die Unmik bei Rückführungen „gesundheitliche Aspekte oder die Wahrung der Familieneinheit überprüft.“

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