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Abgestürztes Betonteil im Bahnhof Friedrichstraße : Auf der Suche nach der Ursache

14.12.2012 18:01 Uhrvon
Ein heruntergefallener Betonbrocken wird inspiziert. Foto: Christian MangBild vergrößern
Ein heruntergefallener Betonbrocken wird inspiziert. - Foto: Christian Mang

Wie es dazu kam, dass am Donnerstag 20 Kilogramm Beton mitten im belebten Bahnhof Friedrichstraße auf den Boden krachten, ist weiter unklar. Die Suche nach der Ursache könnte noch Wochen dauern. Weitere Gefahr sieht die Bahn aber nicht - obwohl ähnliches schon früher geschah.

Die potenzielle Gefahrenstelle ist durch Flatterbänder abgesperrt. Wo sie passiert werden muss, hat die Bahn Gerüste mit einer Abdeckung aufgebaut – wie große Tore. Ansonsten war am Freitag, einen Tag nach dem Absturz eines Betonteils von der Decke in der Halle des Bahnhofs Friedrichstraße – fast – alles wie immer. Die Bahn sieht nach einer Überprüfung keine weitere Gefahr für die Fahrgäste; die Vorsichtsmaßnahme beschränkt sich auf einen schmalen Bereich unter der Absturzstelle. Der Betonbrocken hatte die Zwischendecke durchschlagen; nur mit viel Glück war in dem belebten Bahnhof niemand verletzt oder gar getötet worden.

Warum sich das nach Schätzungen der Feuerwehr rund 25 Kilogramm schwere Stück von der Decke gelöst hat, ist weiter unklar. Die Ursachenforschung kann Wochen dauern. Die gesamte Stahlbetonkonstruktion aus den 1920er Jahren sei bei der Sanierung Mitte der 1990er Jahre von Statikern geprüft worden, sagte der Architekt Werner Weinkamm, der die Sanierung geplant hatte. Umgerechnet 110 Millionen Euro hatten die Arbeiten damals gekostet. Der Bahnhof war großzügig umgebaut worden; auch, um mehr Platz für Geschäfte zu schaffen. Die tragenden Konstruktionen blieben unverändert; Schäden seien damals nicht gefunden worden, sagte Weinkamm.

Nach der Sanierung waren die mit Brücken vergleichbaren Gleiströge und die daran befestigten Betonelemente nicht mehr zu sehen. Eine abgehängte Decke verhinderte den Blick. Revisionsklappen seien bei solchen Konstruktionen nicht vorgeschrieben, sagte ein Fachmann.

Weinkamm schließt nicht aus, dass Wasser vom Gleisbereich aus in die Decke eingedrungen ist und den Stahl rosten ließ. Die Gleise liegen zwar in einer Halle, doch durch die Züge gelange Wasser auch ins Innere der Halle. Womöglich sei eine Fuge undicht, sagte Weinkamm. An der abgehängten Gipskartondecke sind an mehreren Stellen Flecken zu sehen, die auf Feuchtigkeit schließen lassen.

Auch die BVG ist schon von Schäden, die durch abgehängte Decken verborgen waren, überrascht worden. Zuletzt beim U-Bahnhof Mehringdamm. Als die BVG jetzt die Station sanierte und die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dort angebrachte Zwischendecke entfernen ließ, erkannte man erhebliche Schäden an der ursprünglichen Gewölbedecke, die sonst nicht zu sehen gewesen wären. Die BVG baute danach keine Zwischendecke mehr ein, sondern blieb bei der ursprünglichen Gewölbekonstruktion. Dadurch wirkt der Bahnhof nun auch großzügiger.

Wo Zwischendecken – auch wegen des Denkmalschutzes – bleiben sollen, baut die BVG nach Möglichkeit Klappen ein, die einen Blick auf die tragende Konstruktion ermöglichen. So sei man in der Lage, rechtzeitig Stellen zu erkennen, an denen Wasser eindringe, sagte ein Experte.

Die BVG will deshalb in den U-Bahnhöfen auch keine vor die Tunnelwände gehängten Platten mehr anbringen. „Was dahinter ist, können wir nicht sehen“, sagte der Experte. Nur durch das Entfernen der Platten sei eine Kontrolle möglich, was jedoch aufwendig sei. Solche vorgehängten Platten hat die BVG unter anderem auf sanierten Stationen der Linie U 5 (Alexanderplatz–Hönow) angebracht.

Bei den herkömmlichen Fliesen dringt Feuchtigkeit dagegen schnell durch die Fugen und ist deshalb früh zu erkennen. Zudem lassen sich Schäden durch ein Klopfen gegen die Fliesen erkennen. Gar nicht verkleidet sind mehrere Stationen auf der U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf). Dadurch wollte man allerdings in der Bauphase nur Geld sparen. Unlängst musste die Bahn auch Teile der Akustikdecke im Regionalbahnhof Potsdamer Platz entfernen, der erst 1996 eröffnet worden war. Bei Kontrollen zeigte sich, dass ein Teil locker war. Zeitweise mussten die Bahnsteige deshalb gesperrt werden.

Im Bahnhof Friedrichstraße machten sich am Freitag die wenigsten Besucher Sorgen. Viele wussten nicht einmal, warum es die Absperrung gab. Einige schlüpften auch einfach unter den Bändern durch, um den Weg abzukürzen. Eine Gefahr sahen offensichtlich auch die zahlreich eingesetzten Sicherheitskräfte nicht. Sie griffen in den wenigsten Fällen ein. Am Nachmittag lief dann auch der Betrieb fast wieder normal. Die Bahn nahm das Gleis 4, auf dem Fern- und Regionalzüge Richtung Hauptbahnhof fahren, wieder in Betrieb. Unter ihm hatte sich der Betonbrocken gelöst; das Gleis war deshalb am Donnerstag gesperrt worden, um Erschütterungen zu vermeiden. Züge der Regionalbahnlinien RB 21 aus Wustermark und RB 22 vom Flughafen Schönefeld enden deshalb seither bereits am Bahnhof Zoo. Erst am Montag sollen sie wieder planmäßig bis zur Friedrichstraße fahren.

Für die Fahrgäste ist dies allerdings nichts Neues. Diese Züge sollten zwar seit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag in den Hauptverkehrszeiten bis Friedrichstraße fahren; wegen Defekten und Verspätungen schafften sie es aber bereits vor der Gleissperrung im Bahnhof Friedrichstraße oft nur bis zum Bahnhof Zoo.

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