Berlin : Abgezockt

Eine 31-jährige Buchhalterin steht vor Gericht Sie soll ihre Firma um 174 000 Euro geprellt haben

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Die Frau kann Vertrauen schaffen. Das gelang ihr als Zahnarzthelferin, das lief danach noch besser in einem Unternehmen für Ökoberatung. In der Firma hielt man sie für eine Diplom-Agraringenieurin und überließ ihr bald die Buchhaltung. Ein Glücksgriff aber war das nur für Verena H.: Die 31-Jährige bediente sich zwei Jahre lang an den Konten des Unternehmens. 334 Fälle listete die Anklägerin am Freitag auf. Rund 174 000 Euro soll Verena H. für sich abgezweigt haben.

Ihr Blick ist offen, ihr Auftreten freundlich und angenehm. Man traut ihr nichts Schlechtes zu. „Sie machte einen wirklich guten Eindruck“, sagte einer ihrer damaligen Chefs. Ihr Schwindel aber begann bereits mit der Bewerbung. Verena H. hatte zwar ein paar Semester studiert, einen Abschluss aber erwarb sie laut Anklage nicht. In der Ökoberatung legte sie sich zunächst als Bürohilfe ins Zeug und stieg bald zur Buchhalterin auf.

„Ich hatte Kontovollmacht“, sagte die Angeklagte. „Die Gesellschafter sind sehr selten im Büro gewesen, ich habe alle Aufgaben übernommen.“ Bei ihren drei Chefs war das Vertrauen so groß, dass sie die Kontrolle vergaßen. Sukzessive hob sie erhebliche Summen für sich ab, fälschte Kontounterlagen und auch Jahresabschlüsse. Wollte einer der Chefs doch einmal in die Bücher sehen, schob sie diverse Ausreden oder angebliche Trauerfälle in der Familie vor.

Als dieser Schwindel bereits ein Jahr lief, musste sie vor Gericht erscheinen. Es ging um einen früheren Betrug: Sie hatte auf Kosten eines Zahnarztes elektronische Zahnbürsten bestellt und anschließend verhökert. Verena H. wollte hart arbeiten, um ihre Schulden zu bezahlen. Sie hinterließ als Angeklagte einen guten Eindruck und kam mit 14 Monaten Haft auf Bewährung davon. Kurz darauf betrog sie wieder. „Es war relativ leicht, die Gesellschafter sahen nicht auf die Konten“, gestand sie. Schulden habe sie von dem Geld beglichen, auch ein Auto bezahlt und Miete. Der Prozess geht am Montag weiter. Kerstin Gehrke

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