Abhörstation der Alliierten : Führungen über den Teufelsberg sind wieder erlaubt

07.09.2012 00:00 Uhrvon
Markante Kuppeln. Offiziell ist die alte Abhörstation auf dem Teufelsberg kein Baudenkmal, trotzdem kann man sie im Rahmen des Tags des offenen Denkmals besuchen. Foto: Björn Kietzmann
Markante Kuppeln. Offiziell ist die alte Abhörstation auf dem Teufelsberg kein Baudenkmal, trotzdem kann man sie im Rahmen des Tags des offenen Denkmals besuchen. - Foto: Björn Kietzmann

Auf dem Teufelsberg im Grunewald darf es wieder Führungen durch die einstige Abhörstation der Alliierten geben – allerdings aus Sicherheitsgründen nur noch mit höchstens zehn Teilnehmern.

Darauf einigte sich der Bau- und Ordnungsstadtrat von Charlottenburg- Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), mit der Arbeitsgemeinschaft Teufelsberg, die das Areal von den Eigentümern gepachtet hat.

Wie berichtet, hatte Schulte zuvor alle Veranstaltungen untersagt. Der Anlass waren große Szenepartys und andere Events. Es gab auch Querfeldein-Golfspiele („Cross-Golf“), und vor wenigen Tagen balancierten Trendsportler sogar ähnlich wie Seiltänzer auf „Slacklines“ zwischen den maroden Kuppeln.

  • Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das lange verbotenes Gelände war. Foto: AFP
    Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das... - Foto: AFP
  • Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. Foto: AFP
    Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. - Foto: AFP
  • In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. Foto: AFP
    In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. - Foto: AFP

Anlässlich des Tag des offenen Denkmals ist der Eintritt vom heutigen Freitag bis zum Sonntag frei. Geplant sind Kleingruppenführungen, bei denen Künstler ein Rahmenprogramm bieten. Auch die kostenpflichtigen Führungen an folgenden Wochenenden werden wieder angeboten (Näheres unter www.berlinsightout.de).

Bisher sind die Ruinen übrigens kein Baudenkmal, es gibt jedoch Forderungen aus dem Bezirk, sie unter Schutz zu stellen.

Um die Entwicklung zum „öffentlichen Ausflugsort“ soll es Ende September bei einem Gespräch gehen, das der Miteigentümer und Architekt Hartmut Gruhl aus Köln mit Stadtrat Schulte und Stadtentwicklungs-Staatssekretär Ephraim Gothe führen will. Bei einem ersten Treffen im Frühjahr hatte Gruhl eine Aussichtsplattform mit Café, ein Ausflugslokal, Veranstaltungssäle und ein Museum vorgeschlagen.

Dies stößt auch auf Kritik: Das benachbarte Ökowerk am Teufelssee wirft den Eigentümern vor, „dieses hervorragende Stück Berlin seit nunmehr 15 Jahren dem Verfall preiszugeben“. Der Vorsitzende Hartwig Berger spricht von einem „Trauerspiel“ und „Imageschaden für die Stadt“. Die im „Aktionsbündnis Teufelsberg“ organisierten Umweltverbände fordern die Rückgabe des Bergs ans Land Berlin sowie eine „denkmal- und naturgerechte Sanierung“.

Unterdessen hat die Kommunale Galerie in Wilmersdorf die Ausstellung „Schaulust – Teufelsberg. 20 Jahre nach Verlassen der Abhörstation des Kalten Krieges“ mit Fotos der Künstlerin Rotraud von der Heide eröffnet; einige ihrer Aufnahmen sind auch auf dem Berg zu sehen.

- Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, Eintritt frei; bis 21. Oktober, Di. bis Fr. 10-17 Uhr, Mi. bis 19 Uhr, So. 11 bis 17 Uhr.

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