Berlin : Abi 2001: Abitur-Ergebnisse alarmieren Schulbehörde

Susanne Vieth-Entus

Eine extrem hohe Durchfaller-Quote an mehreren Schulen ist die Besonderheit des Abiturs 2001. An drei Schulen scheiterte fast jeder dritte, an rund zehn Schulen jeder vierte oder fünfte Abiturient. Als eine Ursache wird die zunehmende Polarisierung in "Magnet- und Restschulen" genannt. Schulen, die seit Jahren besonders schlechte Abiturergebnisse hervorbringen, sollen jetzt einer systematischen Analyse unterzogen werden.

Das schlechteste Ergebnis mit 32 Prozent "Durchfallern" erntete die Neuköllner Walter-Gropius-Gesamtschule, gefolgt von der Weißenseer Raoul-Wallenberg-Gesamtschule und dem Oberstufenzentrum Maschinenbau in Reinickendorf. Bei 20 bis 25 Prozent lag die Misserfolgsrate an den Gesamtschulen Rudolf Virchow (Marzahn), Bertolt Brecht und Heinrich Böll (beide Spandau), Fritz Reuter (Hohenschönhausen), Otto Hahn (Neukölln), an der Oberstufenschule Theodor Heuss (Wedding), am Neuköllner Albert-Schweitzer-Gymnasium und an zwei Oberstufenzentren.

Derart hohe Misserfolgsraten habe er noch nie erlebt, sagte der zuständige Oberschulrat Gerhard Nitschke gestern nach Bekanntwerden der Ergebnisse. Noch am Nachmittag wurde in einer Runde mit Schulaufsichtsbeamten nach ersten Erklärungen gesucht. Dabei kam heraus, dass eine zunehmende "Polarisierung" der Schulen beobachtet wird. Qualitätsbewusste Eltern suchen demnach stärker als früher nach Schulen mit besonderem Profil. Schulen mit weniger gutem Ruf oder ohne Profil werden dann zu "Restschulen" für Kinder ohne Gymnasialempfehlung.

Nitschke hält es für notwendig, dass die Fachberater in den Schulen künftig vorzeitig bei ihren Kollegen auf Qualität bei der Abiturvorbereitung drängen. Vielleicht werde auch in der Kursphase zu großzügig benotet, so dass dann erst im Abitur, wenn externe Prüfer dazustoßen, das böse Erwachen komme. Vielleicht sei auch der Unterricht nicht in Ordnung. Dies alles soll jetzt bei einer "systematischen Analyse" der negativ aufgefallen Schulen ermittelt werden.

An den betroffenen Schulen sieht man verständlicherweise keine generelle Tendenz als Ursache für das Debakel. Es sei halt ein "besonders schwacher Jahrgang" gewesen, resümiert der Walter-Gropius-Oberstufenleiter. Am OSZ Maschinenbau verweist man auf die extrem hohen "Fehlzeiten" der Schüler. "Persönliche Probleme" mancher Abiturienten lautet der Erklärungsversuch in der Rudolf-Virchow-Schule.

Abgesehen von diesen Häufungen beim "Durchrasseln" ist das Abi 2001 unspektakulär. Dies betrifft die Durchfallquote von 9,1, den Notendurchschnitt von 2,7 und die Tatsache, dass es 22 Mal die Note 1,0 gab. Überraschend ist auch nicht, dass Canisius-Kolleg und Graues Kloster Spitzenreiter sind. Eine Besonderheit ereignete sich aber am Französischen Gymnasium: Hier gab es viermal die 1,0 im französischen Abitur.

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