Berlin : Abi 2001: "In der Jackentasche waren die Spickzettel"

tabu

Anne Will, Tagesthemen- und Sportschau-Moderatorin, 35 Jahre: "Mir fiel das Lernen leicht, ich war eine sehr gute Schülerin. Dort, wo heute der Big-Brother-Container steht, in Hürth bei Köln, habe ich 1985 Abitur gemacht. Als Leistungskurse hatte ich Mathe und Englisch. Dass ich in Mathe ganz gut war, ist per Zufall entstanden. Mein Bruder Martin hat mir bis zur 8. Klasse immer geholfen in Mathe. Irgendwann haben wir uns gezankt, und ich habe angedroht, ihn an die Mama zu verpetzen. Daraufhin hat er gesagt, dass er mir nie wieder in Mathe hilft. Da habe ich trotzig gehandelt: Na, gut, dachte ich, dann eben nicht. Und so habe ich mich selbst bemüht. Noch heute bekomme ich so etwas wie eine Kurvendiskussion hin. Neulich erst habe ich der Schwester einer Freundin in Mathe geholfen. Die Englisch-Abi-Prüfung war riskant: Ich habe mich nur auf den "American Dream" vorbereitet, weil ich wusste, dass der auf jeden Fall vorkommen wird. War dann auch so, und ich habe 13 Punkte geschrieben. Allerdings habe ich hinterher erfahren, dass in dem anderen Umschlag mit Fragen keine zum American Dream war. Ich hatte Glück, dass der richtige Umschlag ausgewählt wurde. Geschummelt habe ich auch mitten in den Prüfungen. Ich trug eine Kapuzen-Jacke und darüber ein Sweat-Shirt. In den Täschchen der Jacke waren dann die Spickzettel. Am Ende, als alles vorbei war und ich mit 1,5 bestanden habe, war ich schon ein wenig stolz, weil es die erste große Prüfung im Leben war. Wir haben dann am Baggersee wie wild gefeiert. Wenn ich an diesen billigen Asti Spumante denke, wird mir heute noch schlecht."

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