Berlin : Abitur 2001: "Eine typische Restschule"

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Schön ist er nicht, der Schulhof der Otto-Hahn-Gesamtschule. Die Mittagssonne prallt auf die Pflastersteine, kein Baum spendet Schatten. Rundherum sind graue Unterrichtscontainer angeordnet. Von den Wänden blättern Graffiti ab. 900 Schüler sollen hier täglich lernen, die Besten auf das Abitur vorbereitet werden. Doch das werden in den letzten Jahren immer weniger. Nur 33 Schüler traten in diesem Jahr zur Reifeprüfung an. Durchgefallen sind davon sieben: Einer trat freiwillig zurück, drei haben das schriftiche Examen nicht bestanden und drei sind in der mündlichen Prüfung durchgefallen. Das entspricht einer Durchfaller-Quote von 21 Prozent. "Die Otto-Hahn-Schule ist eine typische Restschule" erklärt Schulleiter Ernst-Günter Freder. Hier wollen vor allem Jugendliche Abitur machen, die von den Gymnasien wegen schlechter Leistungen nicht aufgenommen wurden. "Es kommen aber auch viele Schüler vom Neuköllner Ernst-Abbe-Gymnasium zu uns, die in der elften Klasse nicht mehr mitkommen und ihr Abitur lieber bei uns machen wollen", so Freder. Dass diese Schüler oft nicht leistungsstark sind, liegt auf der Hand. Auch der hohe Ausländeranteil von 60 Prozent sei nicht ganz unproblematisch, jedoch keinesfalls Ursache der hohen Durchfaller-Quote. Unsere besten Schüler sind seit Jahren schon Ausländer", sagt Freder. Darunter Araber, Türken und Vietnamesen. Für die Schüler der Klasse 9/24, die gerade Schulschluss hat, ist der Fall klar. "Viele haben einfach keinen Bock. Die hängen lieber am U-Bahnhof Blaschkoallee rum , als zur Schule zu gehen, sagt Kaya Palat. Oft hätten die Lehrer die Klasse nicht im Griff. Blätter, Flaschen sogar Stühle würden während des Unterrichts durch die Klasse geworfen. So verwundert es nicht, dass die Schule von qualitätsbewussten Eltern seit Jahren gemieden wird.

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