Abitur in Brandenburg und Berlin : Verrechnet: Ärger um die Mathe-Prüfung

In Brandenburg gibt es Ärger um das Mathematik-Abitur. Der Vorwurf: Es wurde Stoff abgefragt, der nicht im Unterricht vorkam.

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Schüler während einer Abitur-Klausur (Symbolbild).
Schüler während einer Abitur-Klausur (Symbolbild).Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Kritik am Mathe-Abi: Zahlreiche Schüler und Lehrer in Brandenburg haben sich beschwert, dass die Aufgaben, die bei der zentralen schriftlichen Abiturprüfung am 3. Mai gestellt wurden, zu schwierig waren. Außerdem soll teilweise Stoff abgefragt worden sein, auf den die Schüler im Unterricht nicht oder nicht ausreichend vorbereitet worden waren. Konkret geht es um eine Aufgabe, bei der die Schüler mit natürlichen Logarithmen rechnen mussten.

Über 100 Beschwerden hätten das Brandenburger Bildungsministerium zum Mathematik-Abitur erreicht, sagte ein Sprecher von Minister Günter Baaske (SPD). Das Ministerium prüfe derzeit die Vorwürfe und habe an alle Schulen mit gymnasialer Oberstufe einen Fragebogen verschickt. „Wir müssen erst einmal herausfinden, wie viele Schulen Logarithmen nicht gelehrt haben und warum nicht“, sagte der Sprecher.
Nach Auswertung der Rückmeldungen soll entschieden werden, wie es weitergeht. Möglicherweise müssen die Schüler die Prüfung noch einmal schreiben. Eine andere Möglichkeit wäre, dass bei der Bewertung ein anderer Maßstab angelegt wird.

In Berlin bisher keine Beschwerden

In Berlin gibt es bisher nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung keine Beschwerden über die diesjährigen Abiturprüfungen. Allerdings war für die Brandenburger und die Berliner Schüler auch nur ein Teil der Aufgaben gleich – die Logarithmus-Aufgabe etwa mussten die Berliner Schüler nicht lösen.

Logarithmen sind nach Angaben des Bildungsministeriums in Brandenburg erst seit 2014 im Rahmenlehrplan vorgesehen. Möglicherweise sind sie deshalb noch nicht bei allen Lehrern in der Unterrichtsroutine angekommen. Hinzu kommt, dass in Brandenburg Mathematik im Leistungskurs (den alle belegen müssen) nur mit vier Wochenstunden unterrichtet wird, während es in Berlin im Leistungskurs fünf Stunden pro Woche sind. Dieser Umstand wird als weiteres Argument angeführt, dass für die Vermittlung des Stoffes weniger Zeit zur Verfügung gestanden habe und dass die Brandenburger Schüler gegenüber den Berliner Schülern benachteiligt seien – auch im Hinblick auf diejenigen Abi-Aufgaben, die in beiden Ländern gleich waren.

Nach Ansicht von Schulleiter Andreas Mohry vom Potsdamer Schiller-Gymnasium verzerrt die Logarithmus-Aufgabe für die Abiturienten die ganze Klausur: „Der panische Zeitverlust durch eine Aufgabe, die man noch nie berechnet hatte, hatte natürlich Auswirkungen auf die ganze Prüfung.“

"Verbale Verklausulierung der Aufgaben"

Gabriele Schölzel, Leiterin des Heinitz-Gymnasiums in Rüdersdorf und Vorsitzende des Brandenburgischen Gymnasialleiterverbandes, weist auf ein weiteres Problem hin – die „verbale Verklausulierung der Aufgaben“. Viele Lehrer und Schüler fanden die Formulierungen demnach zu schwierig, es seien Begrifflichkeiten gewählt worden, die die Brandenburger Schüler nicht gewohnt seien. Sie habe Rückmeldungen von Schulleitern aus ganz Brandenburg bekommen, sagt Schölzel. Das Anforderungsniveau der Prüfung sei insgesamt unerwartet höher als das der vergangenen Jahre gewesen.

Das bestätigt auch der Brandenburger Landesschülersprecher Johannes Sven Hänig. Der 17-Jährige aus Senftenberg hat selbst am 3. Mai die Abiklausur in Mathematik geschrieben. „An meiner Schule haben wir zwar Logarithmen im Unterricht behandelt, aber ich fand die Abituraufgaben persönlich auch schwierig. Schwieriger als erwartet.“ Er plädiert dafür, dass bei der Korrektur ein anderer Maßstab für die Brandenburger Schüler angelegt wird: „Als Schülersprecher fordere ich bestimmt nicht, dass wir die Klausur noch mal schreiben müssen.“

Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach mahnte an, dass Lerninhalte künftig transparenter gestaltet werden müssen. „Die Schüler sollen wissen, auf welche Prüfungsinhalte sie sich vorbereiten müssen.“
Der Kritikpunkt, dass die Brandenburger Schüler weniger Mathematikunterricht als die Berliner Schüler haben, erübrigt sich ab dem Schuljahr 2018/19. Dann stellt das Land sein Leistungskurssystem wieder um und kehrt zu zwei fünfstündigen Leistungskursen zurück. Im Moment müssen die Schüler fünf vierstündige Leistungskurse belegen.

Aufgaben kamen nicht aus dem bundesweiten Pool

Die umstrittene Logarithmus-Aufgabe stammt im Übrigen nicht aus dem gemeinsamem Aufgabenpool, den es seit diesem Jahr gibt und aus dem sich alle Bundesländern bedienen können. Sie wurde viel mehr von einem landeseigenen Fachteam konzipiert.

Auch um die Pool-Aufgaben hatte es Ärger gegeben: Im April hatten Einbrecher einen Schultresor in Stuttgart geöffnet, in dem Abituraufgaben lagerten. Einige der Aufgaben hätten im Berliner und Brandenburger Mathematik-Abitur vorkommen sollen. In den bereits gedruckten Prüfungsbögen wurden die verbrannten Aufgaben gestrichen, die Ersatzaufgaben auf losen Blättern eingelegt.

Noch bis zum 19. Mai werden in Berlin und Brandenburg Abiturklausuren geschrieben – am heutigen Freitag zum Beispiel Physik – , mündliche Prüfungen finden ab dem 22. Mai statt. Bis Ende Juni sind noch Nachschreibetermine, Abschlusszeugnisse gibt es bis zum 7. Juli.

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