Berlin : Abitur: Schneller zur Reifeprüfung, aber nicht so schnell wie im Saarland

Amory Burchard

Das Saarland hat als erstes westliches Bundesland das Abitur in zwölf Jahren eingeführt. Auch Berlin will den Weg zum Abi verkürzen. Ab Sommer 2002 sollen es nur noch 12, 5 Jahre sein. Ab wann jedoch ein ganzes Schuljahr eingespart werden kann, ist nicht abzusehen. Das saarländische Vorpreschen jedenfalls hat die Schulverwaltung nicht aufgeschreckt. "Es gibt keinen Zeitwettbewerb, wer als Erster die zwölf Jahre einführt", sagt Thomas John, Sprecher der Schulverwaltung.

In Berlin wird schon seit der Wiedervereinigung über die Schulzeitverkürzung diskutiert. In der Großen Koalition zwischen CDU und SPD war das Abitur in 12 Jahren umstritten - bis sich Schulsenator Klaus Böger (SPD) im vergangenen Jahr erstmals für die Verkürzung aussprach. Die CDU ist seit langem dafür, und auch im Wahlprogramm der SPD steht nun das Abitur nach zwölf Jahren. Gesichert ist vorerst der Start des "Abis in 12,5 Jahren" ab Sommer 2002. Durch eine Straffung der Abiturprüfungen sollen die Schüler bis zu fünf Monaten früher fertig werden und somit bereits im Sommersemester an die Universitäten gehen können, sagt Verwaltungssprecher John.

Berlin sei gleichzeitig auf dem besten Wege zum noch schnelleren Abitur. Die Reform, die Senator Böger nach den Sommerferien angehen werde, führe schrittweise dorthin: Wenn es mehr Ganztagsschulen gebe, werde es leichter, den für die Verkürzung nötigen Nachmittagsunterricht zu organisieren. Außerdem sollen die Lehrpläne "entrümpelt werden", um Zeit zu sparen. Nach einer Vorgabe der Kultusministerkonferenz (KMK) müssen nämlich alle Schüler von der fünften Klasse bis zum Abitur 265 Wochenstunden pro Klassenstufe lernen. Und das auch bei nur zwölf statt dreizehn Schuljahren.

Eine andere KMK-Vorgabe macht den Berlinern und Brandenburgern mehr Sorgen: Vor dem Abitur sollen wenigstens sieben Gymnasialjahre stehen. Wenn Berlin seine sechsjährige Grundschule beibehält - was erklärte Absicht von SPD und Grünen ist - blieben bis zum Abi nur sechs Jahre. Hier will Böger mit der KMK verhandeln. Mit der ebenfalls im neuen Schuljahr beginnenden Grundschulreform würden die fünften und sechsten Klassen "gleichwertig mit der Orientierungsstufe auf dem Gymnasium" sagt John. Neu eingeführt werden leistungsdifferenzierte Kurse in Klasse fünf und sechs und die erste Fremdsprache ab der dritten Klasse. Daraufhin solle die KMK wenigstens ein Jahr auf die Gymnasialzeit anrechnen.

Davon hält die CDU gar nichts. Roland Gewalt, parlamentarischer Geschäftsführer, hält den Plan, die KMK umstimmen zu wollen, für "abwegig und unrealistisch". Die fünften und sechsten Klassen der Grundschulen, in denen alle Kinder gemeinsam lernen, seien "etwas grundsätzlich anderes als das Gymnasium". Die Reform sei nur ein Vorwand, an der sechsjährigen Sekundarstufe festzuhalten. Die CDU will schnell mehr vierjährige Grundschulen und mehr grundständige Ganztagsgymnasien, die dann zum Abitur in 12 Jahren führen. Durch eine rot-grüne Landesregierung werde das allerdings "in weite Ferne rücken".

Tatsächlich sind die Grünen gegen das Express-Abitur für alle. Allenfalls sei es denkbar, mehr Schnellläufer-Klassen für hochbegabte Schüler eingeführt werden, sagt Özcan Mutlu, schulpolitischer Sprecher. Generell aber könne bei der Gymnasialzeit nicht gekürzt werden, ohne die sechsjährige Grundschule in Frage zu stellen. Das aber wollen die Grünen auf keinen Fall.

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