Berlin : Abkürzung Wohngebiet: Straßenkampf vor dem Gartenzaun

Ole Töns

Ein Bezirksamt als uneinsichtier Verlierer? Obwohl das Oberverwaltungsgericht am 12. Dezember angeordnet hatte, dass der Bezirk Weißensee die ehemalige Baustraße zwischen dem Neubaugebiet Karow-Nord und der Bundesstraße 2 schließen müsse, konnten Autos weiter ungehindert diesen Schleichweg nutzen - sehr zur Empörung der Anwohner, die vors Gericht gezogen waren.

"Nach dieser Entscheidung hätte die private Baustraße unverzüglich geschlossen werden müssen", sagt die Sprecherin des Oberverwaltungsgerichtes, Petra Michaelis-Merzbach. Doch es geschah nichts. Auch gestern drängelte sich der Berufsverkehr noch durch die schmalen Spielstraßen zwischen den Einfamilienhäusern. "Das geht morgens um fünf Uhr los und hört abends erst gegen 20 Uhr auf", ärgert sich ein Anrainer.

Bereits nachdem die Anwohner bei dem ersten Verfahren Ende Oktober vor dem Verwaltungsgericht Recht erhalten hatten, kündigte der zum Jahreswechsel aus dem Amt scheidende Baustadtrat Rainer Hampel (SPD) an, den Schleichweg nicht zu schließen. Stattdessen legte das Bezirksamt Widerspruch beim Oberverwaltungsgericht ein. Ohne Erfolg. Die Anwohner sind empört: "Wenn wir gewusst hätten, dass wir an einer Durchgangsstraße wohnen sollen, wären wir doch gar nicht hergezogen", sagt ein Karower, der in einer der kleinen Spielstraßen des Neubaugebiets wohnt. Auto für Auto poltert derweil in Sichtweite über die Felder von der Bundesstraße kommend über den Bürgersteig des Ingwäonenwegs in das Wohngebiet. Über 600 Fahrzeuge sind es nach einer Zählung der Anwohner während des Berufsverkehrs. An der Bundesstraße machen sogar große Schilder auf den illegalen Abzweig aufmerksam, werben für das ruhige Karow-Nord und eine Shoppingmeile. "Dabei können meine Kinder hier nicht mal sicher zur Schule gehen", sagt eine Frau, die nahe der Stelle wohnt, an der die Baustraße auf den Ingwäonenweg trifft.

Doch nicht für alle Bewohner des Neubaugebietes zwischen Alt-Karow und der Landesgrenze ist die illegale Verbindung zur gut ausgebauten Bundesstraße 2 ein Ärgernis. Denn das Provisorium spart Zeit. "Dabei wäre für alle die Lösung so einfach, wenn für das neue Wohngebiet gleich auch die längst geplante Infrastruktur gebaut worden wäre", sagt die Neu-Karowerin. Bevor sie sich für das neue Haus entschieden habe, sei ihr und anderen Anwohnern mitgeteilt worden, dass südlich des Wohngebietes eine Erschließungsstraße von der B 2 zur Karower Altstadt gebaut werden sollte. "Doch die Vermarktung der Neubauten läuft schlechter als erwartet", vermutet sie, "deshalb könnte den Investoren die Erschließung jetzt zu teuer sein."

Im Bezirksamt wird die Sache offenbar erst jetzt ernster genommen. Nach mehrmaliger Anfrage teilte der erst seit kurzem mit der Zuständigkeit betraute Wirtschaftsstadtrat Horst Hartramph (CDU) mit, das Natur und Grünflächenamt werde sich sofort um die Schließung des Schleichweges kümmern. Das Schreiben des Gerichtes sei erst am 19. Dezember bei ihm eingegangen. Der eigentlich zuständige Baustadtrat ist bereits in den Urlaub entschwunden.

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