Berlin : Abrechnung vor dem Applaus

Was PDS-Delegierte Harald Wolf vorwerfen

-

Harald Wolf fühlt sich unwohl, und das liegt nicht nur an der schwülen Hitze. Im Bezirksamt Pankow, beim PDS-Sonderparteitag, hörte der Spitzenkandidat gestern Abend an, wie Parteifreunde über das schlechte Wahlergebnis reden. Und wie sie dafür ihn und die anderen Linken im Senat verantwortlich machen. Wolf, der zwischen Gregor Gysi und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sitzt, legt immer wieder die Stirn in Falten, knetet die Hände, schüttelt genervt den Kopf oder spricht verärgert mit Parteichef Klaus Lederer und Fraktionschef Stefan Liebich. „An der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei“ habe Rot-Rot regiert, sagt einer, der Wolf geleitete Wahlkampf habe „die Herzen der Menschen nicht erreicht“, eine andere. Gesine Lötzsch, für die PDS im Bundestag, sagt, sie erwarte von den Vertretern der Parteispitze, „dass sie auf die Menschen zugehen“. Allein Gysi, der den Abend eröffnete, lobte Harald Wolf als den „besten Berliner Wirtschaftssenator, den wir je hatten“. Aber auch er bemängelt, dass der Spitzenkandidat Wolf, ein Westdeutscher, und seine Wahlkämpfer „die ostdeutsche Seele“ zu wenig angesprochen hätten.

Harald Wolf hört sich das eine Weile an, dann holt er zur Gegenrede aus. In seiner leicht monotonen Art spricht er davon, dass „wir alle“ den Wahlkampf geführt haben, wiederholt Wahlkampfziele – Gemeinschaftsschule, öffentliche Beschäftigung, Landesunternehmen behalten – und wirbt darum, den Koalitionsgesprächen mit der SPD zuzustimmen. Die würden zwar „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ – aber die Linkspartei sei ja auch angetreten, weil sie kämpfen wolle. Gemessen am Applaus, der lauter ist als nach den Reden seiner Kritiker, sieht das auch die Mehrheit der Delegierten so. Die Partei, den Eindruck hinterlässt der Abend, steht trotz Kritik hinter Wolf. Noch. lvt

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben