• Abriss der Eissporthalle: Eine Schnapsidee? Das Gebäude hat noch einen Wert von 20 bis 30 Millionen Mark

Berlin : Abriss der Eissporthalle: Eine Schnapsidee? Das Gebäude hat noch einen Wert von 20 bis 30 Millionen Mark

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Axel Rabbach, will den Abriss der Eissporthalle verhindern. Ein Gebäude, das noch einen Zeitwert von 20 bis 30 Millionen Mark habe, "wegen eines neuen Nebeneingangs für die Messegesellschaft aufzugeben, ist eine Schnapsidee des Senats", sagte Rabbach dem Tagesspiegel. Der einzige Zweck des so genannten Südeingangs sei es, den Messebesuchern vom S-Bahnhof Eichkamp aus einen sechsminütigen Fußmarsch zu ersparen. Die geplanten Messebüros am künftigen Südeingang seien finanziell überhaupt nicht abgesichert.

Der Senat habe das Parlament mit seinem unsinnigen Beschluss Ende Juli überrascht, kritisierte Rabbach. Er will das Thema in der ersten CDU-Fraktionssitzung nach der Sommerpause, am nächsten Dienstag zur Sprache bringen. Der Sportpolitiker schlug vor, auf den Südeingang vorläufig zu verzichten und stattdessen die Untertunnelung der Jafféstraße vom S-Bahnhof herzurichten, um den Weg für Messegäste zu verkürzen. Sollte die Eissporthalle doch kurzfristig abgerissen werden, müsse ein provisorischer Ersatzstandort für die Capitals - etwa im Bereich des Olympiastadions - gebaut werden.

Der Senatsbeschluss, den Eishockey-Verein vorläufig beim anderen Berliner Proficlub, den Eisbären in Hohenschönhausen, unterzubringen, ist nach Meinung von Rabbach ebensowenig machbar wie der Vorschlag von Sportsenator Klaus Böger (SPD), den Amateuren und Jugendvereinen auf dem alten Eissportgelände an der Glockenturmstraße ein Ersatzgelände zu beschaffen. Die Flächen dort seien viel zu klein und nur für den Freizeitsport nutzbar. Der Versuch des Senats, Rechtsansprüche der Capitals auf die weitere Nutzung der Eissporthalle bzw. einen adäquaten Ersatz durch Änderung des Sportförderungsgesetzes abzuwehren, sei auch ein "falsches Zeichen." Rabbach erinnerte den CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky und den CDU-Landesvorsitzenden Eberhard Diepgen an ihre Aussagen, dass funktionierende Sportvereine auch ein präventives Mittel gegen die Radikalisierung von Jugendlichen seien. "Offenbar waren das nur Sonntagsreden."

Sportsenator Böger und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) warf Rabbach vor, aus ihrer Verantwortung zu flüchten. Aber auch von den eigenen Leuten, Finanzsenator Peter Kurth und Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (beide CDU) ist der Abgeordnete enttäuscht. "Dem Kurth werde ich den Orden für seinen Erfolg - den Senatsbeschluss zum Abriss der Eissporthalle - in der nächsten Fraktionssitzung persönlich umhängen."

Der Beschluss, der auf Betreiben des Regierungschefs Diepgen im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2001 Ende Juli zustande kam, findet auch in der SPD wenig Unterstützung. SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller prophezeite gestern: "Das Thema kommt bei uns wieder auf die Tagesordnung."

Wer den angekündigten Abriss der Eissport- und der Deutschlandhalle bezahlen soll, ist immer noch unklar. Die Messegesellschaft hatte ihre Zusage, dies aus eigener Tasche zu finanzieren, im August widerrufen. Geld für ein Provisorium, um die Capitals zwischenzeitlich unterzubringen, ist auch nicht da. "Im Etat 2001 jedenfalls nicht", bestätigte ein Sprecher der Finanzverwaltung.

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