Berlin : Abriss oder Sanierung? Fürs ICC wird’s ernst

Kommende Woche trifft der Senat eine Vorentscheidung über die Zukunft des Kongresszentrums. Gutachten legt Neubau nahe

Alfons Frese,Christian van Lessen

Wie lange wird das Internationale Congress-Centrum (ICC) noch stehen? Am kommenden Dienstag trifft der Senat eine Vorentscheidung über die Zukunft des Gebäudes. Die Senatswirtschaftsverwaltung, der das Bauwerk gehört, teilte am Donnerstag mit, es werde „auch auf der Grundlage“ eines Gutachtens entschieden, nach dem der Abriss des sanierungsreifen Gebäudes vermutlich die günstigste Lösung ist. Das Gutachten war von dem Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) im Auftrag der Messe erstellt worden und ist am heutigen Freitag auch Gegenstand einer Aufsichtsratssitzung der Messe Berlin GmbH. Die wichtigsten Ergebnisse der Gutachter: Sanierungs- und Umbaumaßnahmen würden in den kommenden fünf Jahren mehr als 200 Millionen Euro kosten. Der Abriss des eine Milliarde Mark teuren ICC wird mit gut 30 Millionen Euro veranschlagt, der Neubau eines modernen Kongresszentrums am Platz der Deutschlandhalle mit gut 60 Millionen Euro.

Senatsbaudirektor Hans Stimmann warnte allerdings davor, das Gebäude abzureißen. Mit den „zu schnell gedachten Abriss-Vorschlägen“ in Berlin müsse es vorbei sein. Man solle auf jeden Fall versuchen, aus dem vorhandenen Kongressgebäude mit seinen „irrsinnigen Verkehrsflächen“ durch Weiter- oder Umbauten das Beste zu machen. Von den mehr als 150000 Quadratmetern im ICC können nur gut zehn Prozent genutzt werden, der überwiegende Teil geht für Technik, Lager und Besucherverkehrsflächen drauf.

Die Messe Berlin, die das ICC betreibt, wollte sich auch am Donnerstag nicht zur Zukunft des ICC äußern. „Das ICC ist das bestgebuchte Haus Europas“, sagte Messe-Sprecher Michael Hofer auf Anfrage. Aber: „Das Haus ist zu teuer gebaut.“ Hofer wies auf die hohen Wartungs- und Instandhaltungskosten hin. Derzeit macht die Messe mit dem Kongresszentrum jedes Jahr gut 15 Millionen Euro Verlust.

Ein Abriss des ICC am Messedamm wird seit Jahren immer mal wieder erörtert. Wie berichtet, hatte Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) kürzlich einen Beschluss des Senats noch vor der Sommerpause angekündigt. Sein Sprecher Christoph Lang kündigte gestern eine „grundsätzliche Weichenstellung des Senats zur Zukunft des ICC“ am kommenden Dienstag an. Man wolle dabei allerdings nicht das ICC isoliert, sondern den Gesamtkomplex Messe betrachten.

Zur Frage, wie weit in der Wirtschaftsverwaltung auch an eine Sanierung des ICC oder einen Neubau an anderer Stelle, etwa auf dem Gelände der Deutschlandhalle, gedacht wird, wollte sich Lang nicht äußern. Die denkmalgeschützte Deutschlandhalle hatte bereits vor Jahren eine Abrissdiskussion überstanden. Der Senat habe sich mit dem Thema ICC noch nicht befasst, betonte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej (PDS) am Donnerstag. In der Finanzverwaltung, die für Sanierung oder Abriss und Neubau zahlen müsste, wollte man sich nicht über die Zukunft des ICC äußern.

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