Abriss : Palast soll bis Ostern 2007 verschwinden

Die Tages des Palastes der Republik sind gezählt: Bis Ostern 2007 soll das DDR-Relikt nach dem Willen des Berliner Senats verschwunden sein. Vorwürfe gegen die Abrissfirma wies Senatorin Junge-Reyer als "bloßen Verdacht" zurück.

Berlin - Ende Februar soll der Abriss beginnen. Die Kosten veranschlagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auf rund 12 Millionen Euro. Davon muss Berlin 36 Prozent (4,3 Millionen Euro) bezahlen, den Rest trägt der Bund. Voraussetzung für Zeitplan und Kostenrahmen sei allerdings, dass die Arbeiten reibungslos liefen, sagte Junge-Reyer am Freitag. In der Gesamtsumme sei bereits eine Million Euro für die Begrünung der Fläche enthalten.

Die Vorwürfe der IG BAU gegen die Abrissfirma Ludwig Freytag GmbH wies die Senatorin als «bisher bloßen Verdacht» zurück. Die Gewerkschaft hatte den Generalunternehmer nach Hinweisen von inzwischen gekündigten Mitarbeitern als «unseriös» bezeichnet. Die IG BAU legte Gehaltszettel der auch in Beelitz beheimateten Firma vor. Aus ihnen soll hervorgehen, dass das Unternehmen bei anderen öffentlichen Aufträgen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 12,47 Euro gezahlt habe.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Junge- Reyer unterstrichen erneut, dass nach dem Abriss schnell ein Finanzierungskonzept für das geplante Humboldt-Forum an der Stelle mit Sammlungen der Staatlichen Museen und der Humboldt-Universität gefunden werden müsse. Die «grüne Wiese» könne nur eine befristete Übergangslösung sein. Nach dem Willen des Bundestags soll dort ein Neubau mit den barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses der Hohenzollern errichtet werden. Allerdings können weder der Bund noch das hoch verschuldete Berlin die geschätzten Kosten von 535 bis 780 Millionen Euro aufbringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte Wowereit bei dessen Antrittsbesuch am Freitag wenig Hoffnungen. Es seien keine konkreten Vereinbarungen dazu getroffen worden, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Es müssten nun weitere Gespräche zwischen den zuständigen Ressorts von Bund und Senat abgewartet werden. Junge-Reyer möchte diese Gespräche noch in diesem Monat beginnen.

Der Geschäftsführer der IG BAU, Rainer Knerler, forderte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf, die Auftragsvergabe zu überprüfen. Die Senatorin unterstrich, das von der Gewerkschaft eingeschaltete Hauptzollamt Berlin habe bisher keine Erkenntnisse zu den Vorwürfen vorgelegt. Zudem habe die Firma Freytag die Tariftreueerklärung unterzeichnet.

Der Abriss erfolgt nach Erläuterungen eines Ingenieurs umgekehrt zum Bau des Palastes. Die Gründungswanne bleibe im Boden und werde zur Stabilisierung mit einem Sandwassergemisch gefüllt. Der gegenüberliegende Berliner Dom sei nach allen Berechnungen nicht gefährdet. Zunächst werde die Stahl-Glas-Fassade abgebaut, danach der ehemalige Volkskammersaal, danach der große Saal und dann das Treppenhaus dazwischen. Ganz zum Schluss werden die riesigen Stahl- Beton-Träger von 81 Meter Spannbreite demontiert. Vom Verkauf der rund 20 000 Tonnen verbauten Stahls erhoffen sich Bund und Land Einnahmen von rund 3 Millionen Euro.

Die Berliner Grünen wandten sich erneut entschieden gegen einen Abriss, da dies zu teuer sei. Der Palast habe «einen Sachwert von 100 Millionen Euro», teilte die stadtentwicklungspolitische Grünen-Sprecherin Claudia Hämmerling am Freitag mit. Es sei sinnvoller, den Rohbau für ein neues Gebäude zu verwenden. «Auf diese Weise würden Abriss- und Neubaukosten gespart.» Für eine Übergangszeit müsse das Gebäude eine ansprechende Fassade erhalten, erklärte Hämmerling. Im Palast habe das erste frei gewählte Parlament der DDR 1990 den Beitritt zur Bundesrepublik beschlossen. «Diesen Ort zu schleifen, ist verkehrt.» (tso/dpa)

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