Berlin : Abriss ungewiss

Palast der Republik: Union protestiert gegen die Zwischennutzung

Peter Ahrens

Zum Abschied gab es noch mal Andrang. Allein am Sonntag kamen 4500 Besucher in den Palast der Republik, um die Terrakotta-Armee zu sehen, sagte Organisator Ralph Grüneberger. Insgesamt wollten die Nachbildungen der chinesischen Krieger seit Eröffnung der Schau am 14. März mehr als 300 000 Menschen sehen.

Lange wird der ausgeschlachtete Palast mit seinen bizarren Stahlträgern und nacktem Beton nicht leer stehen. Und abgerissen wird noch lange nicht. Ab August sollen hier bis tief in den Herbst hinein zahlreiche Kunst- und Kulturprojekte laufen – eine Initiative des Vereins ZwischenPalastNutzung.

Erst im Frühjahr 2005 sollen die Abrissarbeiten für den Palast beginnen, das hat der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Barthel gegenüber dem Tagesspiegel bestätigt. Nach der EU-weiten Ausschreibung für die Abrissarbeiten sind derzeit noch sechs Ingenieurbüros übrig geblieben, die sich um den Auftrag für die Planung bemühen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die die Zuständigkeit von der Oberfinanzdirektion des Bundes übernommen hat, will bis Anfang August die Auswahl treffen. Die Ausschreibung für die reinen Bauleistungen ist allerdings noch nicht erfolgt. „Es ist ja noch viel Zeit bis 2005“, vertröstet Petra Rohland, die Sprecherin der Senatsbauverwaltung: „Nach unserer Einschätzung liegen wir noch im Zeitplan.“

Das sieht die Union allerdings anders. „Wir haben nicht den Eindruck, dass hier mit dem gebotenen Nachdruck vorgegangen wird“, bemängelt die CSU-Bundestagsabgeordnete Renate Blank und hat diese Kritik kürzlich auch im Parlament deutlich gemacht. Schließlich sei der Palast „ein Schaufenster der Diktatur“ und von „ausgesprochener Hässlichkeit“. Da passe es nicht, dass die Staatsministerin für Kultur, Christina Weiss, noch einmal insgesamt 200 000 Euro für die kulturelle Zwischennutzung des Gebäudes locker gemacht habe.

„Jeder Steuer-Euro, der in den Palast gesteckt wird, fehlt anderen innovativen Projekten in Berlin“, schimpft Blank. Sie geht angesichts der noch laufenden Ausschreibungen ohnehin davon aus, dass „es mindestens bis zum Sommer 2005 dauert, bis mit dem Abriss angefangen wird“. Für den Herbst werde die Union daher von der Bundesregierung einen Bericht über den Fortgang der Dinge einfordern.

Für den SPD-Abgeordneten Barthel ist diese Kritik nur „Eiertanzerei, mit der offenbar das Sommerloch gefüllt werden soll“. Er verweist darauf, dass wie vorgesehen, im Frühjahr kommenden Jahres mit dem Abreißen angefangen wird und dies „bis Mitte 2006 geschafft werden könnte“. 20 Millionen Euro sollen die Abrissarbeiten kosten, sagt Barthel, der zwar „auch den Abriss möchte“, aber kein Problem mit der Zwischennutzung hat: „Solange es Nachfrage von Kulturseite und auch vom Publikum gib, wäre man doch dumm, das nicht zu nutzen.“

Dass danach zügig mit dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses begonnen wird, wie es der Bundestag fordert, kann sich Barthel nicht vorstellen – dazu fehlt einfach das Geld. Allein für die Fassade, so der Abgeordnete, seien 80 Millionen privat aufgebrachte Euro vorgesehen: „Derzeit sind davon nicht einmal zehn Millionen aufgebracht.“

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