Berlin : Abrissparty in der Maria am Ufer

Im Mai schließt der Club an der Schillingbrücke

Sebastian Scholz

Auch DJ Fritz Kalkbrenner hatte hier einige große Auftritte, und wäre sein Konzert wegen der Nachfrage nicht kurzfristig ins Astra Kulturhaus verlegt worden, hätte er der Maria am Ufer noch einmal die letzte Ehre erweisen können.

Denn der für DJs und Livemusiker wichtige Club am Spreeufer wird nach mehr als zwölf Jahren nun endgültig schließen. Dass der Club in Friedrichshain wegen des Großprojekts „Mediaspree“ weichen muss, steht – wie berichtet – zwar schon länger fest, doch nun gibt es einen Termin für die „Abrissparty“: Vom 20. bis 22. Mai wird in der Maria das letzte Mal ausgiebig gefeiert, mit Szenegrößen wie Alexander Kowalski, Tok Tok, Modeselektor und den Gebrüdern Teichmann. Dann muss Betreiber Ben de Biel seinen Laden dicht machen, denn der bereits einmal verlängerte Mietvertrag mit dem Liegenschaftsfond läuft aus.

Die Maria war einer der ersten Clubs am Ufer der Spree. Vor über zwölf Jahren zunächst am Ostbahnhof gegründet, siedelte de Biel 2002 an die Schillingbrücke um. Aus der „Maria am Ostbahnhof“ wurde die „Maria am Ufer“. Auch andere namhafte Clubs wie das Berghain, das Yaam, die Bar 25 oder das Kiki Blofeld siedelten sich später in der Nachbarschaft an – die letzten beiden mussten bereits ebenfalls schließen. Die Clubs, die Berlin den Ruf einer Metropole mit lebendigem Nachtleben gegeben haben, weichen nach und nach – da haben auch Proteste und Initiativen aus der Subkultur nichts genützt.

Die Ludger Inholte Projektentwicklung (LIP) aus Hamburg, der das Gebiet um die Maria nun gehört, will hier ein Hotel, Büros und Wohnungen bauen. Für eine Stellungnahme war die Firma leider nicht zu erreichen. Ben de Biel hat für „Mediaspree“ nur noch Sarkasmus übrig: „Wo heute gerockt und gefeiert wird, entstehen bald also Hotels, Wohnungen, und natürlich – was braucht man mehr in Berlin – geile Büroflächen.“ Einen neuen Standort für die Maria sucht er vorerst nicht. Er will sich erstmal ein halbes Jahr Pause gönnen und danach dann mal weitersehen. Sebastian Scholz

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