Berlin : Abschaffung der Förderausschüsse in der Kritik Senatsverwaltung für Bildung

weist Befürchtungen zurück

Susanne Vieth-Entus

Die sofortige Abschaffung der Förderausschüsse für Kinder mit Behinderungen stößt auf Kritik. Der schulpolitische Sprecher der Bündnisgrünen, Özcan Mutlu, und TU-Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss- Lausitz befürchten einen Rückschlag für die Behindertenintegration, wenn die Eltern künftig nicht mehr mittels Förderausschuss die Belange ihres Kindes durchsetzen können. Preuß-Lausitz ist sich aber mit dem Landeselternausschuss darin einig, dass die Förderausschüsse in ihrer bisherigen Form dazu geführt haben, dass mehr Kinder als nötig den Behindertenstatus erhielten.

Tatsächlich werden in Berlin unverhältnismäßig viele Kinder als „behindert“ eingestuft. Während Wissenschaftler von einer durchschnittlichen Quote von fünf Prozent ausgehen, haben in Berlin rund 6,5 Prozent der Schüler einen Behindertenstatus. Seit langem wird vermutet, dass Schulleiter, Lehrer und Sonderpägadogen, die mit den Eltern in den Förderausschüssen sitzen, zu häufig auch Grenzfälle als „behindert“ einstufen, um zusätzliche Personalmittel zu bekommen. Rund 1000 Lehrerstellen wurden so nach und nach für die Integration von über 5600 Kindern bewilligt, ohne dass die Sonderschulen in entsprechendem Umfang Schüler verloren hätten.

„Der Verdacht, dass Kinder falsch gelabelt werden, kommt immer wieder“, bestätigt Preuss-Lausitz. Um zu verhindern, dass einzelne Schulen oder Bezirke im Übermaß Kinder als „behindert“ einstufen, schlägt er vor, die Fördermittel pauschal auf fünf Prozent der Schüler zu beschränken. Vor allem aber fordert er, dass die Mitspracherechte der Eltern bei der Integration gewahrt werden und es auch künftig einen regen Austausch über die Belange jedes betroffenen Kindes gibt. Alles andere sei ein „Rückfall“.

Die Senatsbildungsverwaltung weist die Befürchtungen zurück. Das neue Schulgesetz garantiere den „Vorrang der gemeinsamen Erziehung“. Zudem werde das Wahlrecht der Eltern gestärkt. Wenn ein Schulleiter ein Kind ablehne, müsse er das gegenüber der Schulaufsicht begründen, erläutert Referatsleiter Peter Hübner. Er lässt auch nicht den Vorwurf gelten, dass es ohne Förderausschuss keine ausreichende Diagnose geben werde. An die Stelle der Förderausschüsse werde eine „Schulhilfekonferenz“ treten. Die werde aber erst tagen, wenn man das Kind „über einen längeren Zeitraum beobachtet hat“.

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