Berlin : Abschied für immer – in der Wuhlheide

Modern Talking trennen sich zum zweiten Mal: Das definitiv letzte Konzert von Dieter Bohlen und Thomas Anders soll es am 21. Juni in Berlin geben.

Christian Schröder

Alles, was es über Modern Talking zu sagen gibt, hat die Band im Grunde schon selbst vor 18 Jahren in ihrem Song „You Can Win If You Want“ gesagt. „You can win if you want / If you want it, you will win / Take my hand, follow me / Oh, you’ve got a brand new friend for your life“, heißt es da in jenem unnachahmlichen Holper-Englisch, das sich im weiteren Verlauf der Bandkarriere nicht mehr wesentlich bessern sollte. Der Siegeszug, den Modern Talking damals antraten, hatte zwei Grundlagen: die merkwürdige Männerfreundschaft zwischen Dieter Bohlen und Thomas Anders und ihren unbedingten Willen zum Erfolg.

Die Kritiker haben das Duo nie gemocht, ihre Fans hat das nicht gestört. Modern Talking verkauften über achtzig Millionen Platten, in zwanzig Ländern hatten sie Nummer-1-Hits. Es dürfte schwer sein, irgendwo in der zivilisierten Welt eine Großraumdisco zu finden, in der nicht schon mal „You’re My Heart, You’re My Soul“ oder „Brother Louie“ lief. Modern Talking sind, man muss das so sagen, der wichtigste deutsche Beitrag zur Weltkultur seit Fassbinder und Beuys.

Das heißt: Sie waren es. Am Wochenende hat Dieter Bohlen das Ende der Band verkündet, originellerweise bei einem Konzert in Rostock: „Ich muss euch sagen, dass es mit Modern Talking vorbei ist.“ Alle Tournee-Termine wurden abgesagt, nur der Auftritt am 21. Juni auf der Parkbühne der Wuhlheide soll noch stattfinden und „ein großes Abschiedskonzert“ (Bohlen) werden. Schon 1987 hatten sich Bohlen und Anders getrennt, einander anschließend in Interviews beschimpft und sich dann doch wieder 1998 für ein Comeback zusammengerauft.

Diesmal dürfte der Abschied endgültig sein. Sympathisch waren sich Bohlen und Anders nie, die neuen Modern-Talking-Platten verkaufen sich schleppend, und zumindest Bohlen ist anderweitig gut beschäftigt. Er will noch ein Buch schreiben, bereitet eine neue Staffel der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ vor und in den deutschen Singlecharts sind derzeit gleich vier von ihm produzierte Stücke platziert, darunter die Nummer 1 (Yvonne Catterfeld, „Für Dich“).

Im deutschen Pop gehörten Bohlen (49) und Anders (39) zusammen wie Ying und Yang in der buddhistischen Philosophie: Was dem einen fehlte, hatte der andere. Bohlen schrieb die Songs, konnte aber nur lausig singen. Anders ist ein begnadeter Sänger, konnte aber nicht komponieren. Ihre Hits klangen immer gleich, wurden aber behutsam an den jeweils neuesten Sound angekoppelt. Bei „TV Makes The Superstar“ (2003) hämmert der Diskomarsch-Rhythmus immer noch so gnadenlos wie bei „Atlantis Is Calling“ (1986). Der geniale Primitivismus von Modern Talking wird uns fehlen.

Ticket-Hotline: (030) 61101313

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