Berlin : Abschied mit Streicheleinheiten

Eckart Witzigmann baut seinen Palazzo vorzeitig ab – und dankt dem „fantastischen Publikum“. Es war leider nicht reich genug

Elisabeth Binder

Berlin braucht Geld und weniger Rummel. Andere Städte sind reich genug, haben aber zu wenig Abwechslung. Wenn Eckart Witzigmann seine Zelte ab morgen hier abbaut, könnte am Ende allen gedient sein. Am heutigen Samstag findet zum letzten Mal bei Milchkalb und Flusskrebsen die Dinner-Show im „Witzigmann Palazzo“ statt. Während es in den Wochen seit Oktober immer wieder auch Abende gab, an denen sich nur etwa 150 Gäste in dem 450 Leute fassenden Spiegelzelt verloren, ist der letzte Abend ausverkauft. Ursprünglich sollte der Palazzo bis zum 15. Februar bleiben.

Immerhin kamen insgesamt 25 000 Gäste und verhalfen dem Unternehmen Spiegelzelt doch noch zu einem zufriedenstellenden Abschluss. Bei den Vorbereitungen für seine bereits gestern Abend angesetzte Abschiedsrede an das Berliner Publikum konzentrierte sich Witzigmann denn auch auf positive Werte. Also Dank. Dank an das trotz allem „fantastische Publikum“.

Aus seiner Sicht hat sein vorzeitiger Abschied nämlich gar nichts mit einem „Kampf der Gourmet-Giganten“ zu tun, also mit seiner Konkurrenz zum Dinner-Show-Darling der Berliner, der „Pomp Duck and Circumstance“ heißt und von dem kochenden Zirkusdirektor Hans-Peter Wodarz geleitet wird. Es war schlicht die nicht ausreichende Menge reicher Berliner, die das Unternehmen deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben ließ. In München nämlich war der Andrang so stark, dass man lässig hätte verlängern können. Dort, bei den treuen Bussi-Veteranen, startet am 21. Oktober auch die nächste Saison. Frankfurt und Düsseldorf dürfen sich ebenfalls wieder auf einen Palazzo freuen. Ob er nach Berlin zurückkommt, steht dagegen in den Sternen. Als Konkurrenz sind die an Abwechslung vergleichsweise armen, dafür an Geldmenschen aber umso reicheren Städte Hamburg und Stuttgart angetreten.

Berlin freilich, das hat sich ja schon beim „Bambi“ gezeigt, gibt immer gern ein bisschen Rummel ab. Wenn die anderen Städte dafür mal langsam etwas von ihrem Geld für die Hauptstadt abgeben, wäre endlich auch der alten Weisheit Gerechtigkeit getan, die da heißt: gute Werke werden immer belohnt.

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