Berlin : Abschied vom „Chefarzt der Herzen“

Die Trauerfeier für Klausjürgen Wussow begleiteten hunderte Berliner

Bernd Matthies

Eine ruhige, getragene Trauerfeier – überraschend fast nach all den Skandalisierungsversuchen der letzten Tage. Zwei Pfarrer? Zwei Gräber womöglich? Doch der Abschied von Klausjürgen Wussow in der Gedächtniskirche hatte nichts vom Boulevardhaften seines Lebens. Sollte es tatsächlich sein Wunsch gewesen sein, in Wien beerdigt zu werden, so wäre der Grund dafür klar: Dort hätte es sicher die größere Kulisse, das größere Staraufgebot gegeben. Wussow, der in der vergangenen Woche in einer Rüdersdorfer Klinik im Alter von 78 Jahren gestorben war, hatte in Berlin nie Wurzeln geschlagen.

Draußen vor der Kirche standen dennoch Hunderte von Schaulustigen, die Bänke drinnen waren zu etwa zwei Dritteln gefüllt. Ein großes Porträtfoto in Schwarzweiß zeigte Wussow väterlich, altersmild, mit offenem Kragen. Dazu zahlreiche Kränze, von der Familie, von seiner Frau Sabine, von Roberto Blanco, zwei sogar von den Redaktionen einschlägiger Zeitschriften, die ihm eine ganze Reihe von herzzerreißenden Geschichten verdanken.

Pfarrer Martin Germer, der Hausherr, zog sich ganz in den Hintergrund zurück, begrüßte und verabschiedete die Trauergemeinde und überließ Predigt und Gebet Jürgen Fliege, den sich die Witwe als Trauerredner gewünscht hatte. Dieser ließ nur ganz wenige persönliche Details einfließen, erinnerte an die väterliche Ausstrahlung Wussows, beschränkte sich aber weitgehend auf die theologische Interpretation des Gleichnisses vom Sämann aus dem Lukas-Evangelium: „Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.“ So sei auch diese Beerdigung nur der Beginn einer neuen Saat: „Tragt seine Fackel weiter. Amen.“

Die persönlichen Erinnerungen kamen von Wussows Schauspielerkollegen Christian Kohlund, ZDF-Intendant Markus Schächter und von seinen Kindern Alexander und Barbara. Kohlund berichtete von seinem ersten Zusammentreffen am Wiener Burgtheater mit dem schon hoch gerühmten Theaterstar, der damals Brechts Arturo Ui verkörperte: „Er war schon damals ein moderner Schauspieler, der seine Rollen einfach und klar auf den Punkt gebracht hat.“ Es sei ein Geschenk und ein Privileg gewesen, mit ihm auf der Bühne zu stehen. Schächter erinnerte an den „Chefarzt der Herzen“, dessen Professor Brinkmann nicht nur eine prägende ZDF-Gestalt“ gewesen sei, sondern vor allem ein Arzt, wie man ihn sich wünscht, menschlich, herzlich, mit Autorität, ohne autoritär zu sein, mit zutiefst menschlichen Fehlern.

Deutlich wurde aber auch, dass sich Wussow von seiner Familie in den letzten Lebensjahren isoliert hatte. Seine Witwe saß allein, wurde am Ende, weinend, von Jürgen Fliege aus der Kirche geführt. Tochter Barbara Wussow sprach von einem „so viele Jahre sprachlosen Leben“ und ihrem Glück, dass sie diese Zeit in den letzten Monaten noch gemeinsam mit ihm habe aufarbeiten können. „Der Tod ist nichts“, sagte sie, „ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.“ Ebenso wie ihr Bruder Alexander verabschiedete sie sich mit den Worten: „Schlaf gut, Papi, gute Nacht.“ Zwei kirchliche Lieder wurden gesungen, dazu erklang Rudolf Schock mit einem seiner Lieder über das Leben: „Es wird dir mehr genommen als vergeben.“

Die Beisetzung fand im Anschluss an die Trauerfeier im engsten Kreis auf dem Charlottenburger Waldfriedhof statt. Bernd Matthies

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