Abschied vom Dü-di-dü : Bei der S-Bahn piept's wohl

Dü-di-dü, die Türen schließen? Mit dem neuen Modell wird alles ganz anders. Unser Autor schreibt über einen kleinen Piep für die Menschheit, der ein Großthema für viele Berliner werden dürfte. Eine Glosse.

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So schön, so neu - aber noch nicht ganz das Original: Derzeit wird die künftige S-Bahn im Modell getestet.
So schön, so neu - aber noch nicht ganz das Original: Derzeit wird die künftige S-Bahn im Modell getestet.Foto: dpa

Diese Merkel! „Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns daran lieb und teuer ist.“ Kaum einen Monat ist dieses Versprechen der Bundeskanzlerin erst alt. Und jetzt? „Piepiepiepiepiep“, macht die neue S-Bahn, wenn sie die Türen schließt. Das berühmte Dü-di-dü, auch La-lü-la genannte und von der Agentur dpa als „Diiieee, daaah düüüh“ quasi veramtlichte Türschließgeräusch der S-Bahn ist, wie man so sagt, ein Auslaufmodell; bald reif für den Akustikschrottplatz der Geschichte.

Die neuen Züge müssen so machen, wie sie machen, hieß es bei der Präsentation am Dienstag: Die Normen seien ziemlich rigoros. (Brüssel!) Deshalb piepen die Türen auch beim Öffnen, dann allerdings weniger hektisch als beim Schließen, sondern eher so Piep-piep- piep-piep… Wie der Müllwagen, der einen samstags gegen 6.17 Uhr aus den Träumen in die Wirklichkeit holt, die jeden Tag ein bisschen kälter und dunkler wird, zumindest vorerst.

Die Umstellung auf den neuen Klang ist nur ein kleiner Piep für die Menschheit, aber sie dürfte ein Großthema für viele Berliner werden. Für Möchtegernberliner, die es von DJ Paul Kalkbrenner und aus dem Film „Berlin Calling“ kennen. Und für echte, die ihn täglich hören. Wie oft eigentlich?

Pendler mit Ostbiografie und Blickrichtung Ruhestand können den Dreiklang seit seiner Erfindung ca. 150.000 Mal gehört haben (tgl. 10 Stationen hin mal 2 für den Rückweg mal 220 Werktage p.a. mal 36 Jahre seit Erfindung minus Schienenersatzverkehr). Er gehört zu ihrem Leben wie das von einem dicken weinroten Streifen unten und einem dünneren oben eingefasste Senfgelb der Wagg… – Was?!, der obere rote Streifen ist auch weg? Also, wenn das so ist, dann ist das nicht mehr mein Land, mag mancher jetzt denken. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier – und wird sich auch an neue Töne und Farbnuancen gewöhnen. Auch wenn’s schwerfällt.

Farbe, Sitze, Haltegriffe - zusammengebaut im Filmstudio Babelsberg. 400 Menschen testen das Modell nun. Und wie ist Ihre Meinung?

Dürfen wir vorstellen: So sieht die neue S-Bahn aus
Dürfen wir vorstellen: Berlins Neue.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: S-Bahn Berlin
10.10.2016 08:21Dürfen wir vorstellen: Berlins Neue.
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