Berlin : Abschied vom Fotografen Henry Ries

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In seinen Bildern sehen wir die entscheidenden Jahre der Stadt: das Menschenmeer vor dem Reichstag bei Ernst Reuters Rede, das legendär gewordene Bild der Berliner Kinder, die die Rosinenbomber begrüßen, das Leben mit den Ruinen und die Präsenz der Besatzung. Die Bilder des Fotografen Henry Ries, dieses „Historikers mit der Kamera“ (Janos Frecot), sind Ikonen der Nachkriegsgeschichte Berlins geworden. Aber sie sind auch Zeugnisse einer tiefen Verbundenheit mit der Stadt, in der er 1917 geboren wurde. Sie hat gestern eine letzte Bestätigung gefunden mit der Beisetzung seiner Urne auf dem Waldfriedhof Zehlendorf Ries war im Mai in Amerika gestorben -: anrührender Schlusspunkt des Lebens eines Berliner Juden, der 1938 emigrieren musste und nach 1945 mit Prägnanz und Einfühlungsgabe das Schicksal seiner Heimatstadt, die Gesichter ihrer Menschen und die Aura der Zeit festgehalten hat. Dass seine Bilder keine Spur von Hass und Verbitterung zeigten, vielmehr für eine Zukunft Berlins warben, hob bei der Trauerfeier André Schmitz hervor, der Chef der Senatskanzlei (ihm ist zu verdanken, dass eine Auswahl seiner Bilder im Roten Rathaus hängt). In Anwesenheit seiner Frau Wanda zeichneten Protokollchef Bernhard von der Planitz und der Journalist Werner Perger das Bild eines Mannes von Witz und Weisheit. Ein grosser Zeitzeuge, ein liebenswürdiger Mensch. Etwas Pathos darf sein: er war, so Schmitz, ein „großer Sohn der Stadt“. Rdh.

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