Berlin : Abschied vom Pariser Platz

Frankreichs Botschafter Bernard de Montferrand lud ein letztes Mal zum Essen. Nicht nur Politiker sagten Adieu

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Salut. Nach dreieinhalb Jahren beendet Montferrand seine Karriere. Foto: Thilo Rückeis
Salut. Nach dreieinhalb Jahren beendet Montferrand seine Karriere. Foto: Thilo Rückeis

In Wikileaks findet sich nichts über die französische Botschaft. Weshalb das so ist, verriet Bernard de Montferrand bei seinem Abschied von Berlin: Weil die deutsch-französischen Beziehungen so eng und gut sind. Eine höfliche Übertreibung? Mag sein, aber beim Abschiedsessen für den scheidenden Botschafter bekannte auch Außenamts-Staatsminister Werner Hoyer, er sei immer ganz „fassungslos“, wenn er lese, zwischen Berlin und Paris wachse die Distanz. Und zählte die erfolgreichen Interventionen und Aktionen auf, die – vom Streit um den Lissabon-Vertrag bis zur Finanzkrise – von Deutschen und Franzosen allein in den dreieinhalb Jahren bewältigt worden sind, in denen Montferrand in Deutschland auf Posten war.

Der Botschafter habe daran, so Hoyer, seinen gehörigen Anteil. Tatsächlich ist de Montferrand ein glänzendes Beispiel dafür, dass auch in den Zeiten der Gipfeldiplomatie und des Internets Botschaften und Botschafter nützlich sind. Auch bei diesem letzten amtlichen Termin in der Bundesrepublik – vis-à-vis von seiner Botschaft am Pariser Platz, im Hotel Adlon – bewies er seine Fähigkeit, das Engagement für die Politik – Europa immer vorneweg – mit dem Eingehen, dem Einfühlen in das psychologische Geflecht der Beziehungen von Deutschen und Franzosen zu verbinden.

Aber kann das verwundern? Deutschland ist für Bernard de Montferrand und seine Frau Catherine ein Teil ihrer Identität geworden: Das Vier-Mächte-Berlin war 1979 für drei Jahre seine erste Auslandsstation – als Berater der französischen Militärregierung –, in der deutschen Hauptstadt beendet er nun nach 37 Jahren seine Laufbahn. In den 80ern war de Montferrand Generalkonsul in San Francisco, später dann Botschafter in Singapur, Den Haag, Neu Delhi und in Tokio. Im Oktober 2007 schließlich trat er seinen Job in Berlin an.

Wie weit ausgespannt das Netzwerk ist, das der 65-jährige Diplomat geknüpft hat, konnte man an den Gästen des Abschiedsessen erkennen. Dazu gehörten nicht nur Regierungsmitglieder, Abgeordnete und Repräsentanten deutsch-französischer Gremien. Da fanden sich auch der Soziologe Wolf Lepenies und der Historiker Heinrich August Winkler, der frühere Charité-Direktor Detlev Ganten und die Kulturpolitikerin Monika Grütters, Willi Steul, der Intendant des Deutschlandfunks, und Hans Ottomeyer, der Direktor des Deutschen Historischen Museums. Alle Beweise dafür, wie sehr Deutsche und Franzosen sich nahegekommen sind.

Was Montferrand gern mit Lafontaines Fabel von der Grille und der Ameise illustriert; die Grille lebenslustig und etwas unsolide, die Ameise fleißig und sparsam, Gegensätze also und daraus entstehende Probleme. Aber, so der Botschafter, die Franzosen sind längst nicht mehr solche Grillen, wie behauptet wird, und Deutsche sind keineswegs den Ameisen so ähnlich, wie sie glauben. Hermann Rudolph

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