Berlin : Abschied von den Hochhausträumen

Alex-Anrainer hoffen auf das Ende der Baustellen – auch ohne Bürotürme

Matthias Oloew

In der dritten Generation betreibt Uwe Ellenberger den kleinen Laden „Ellenberger’s Schmuckkäst’l“ im U-Bahnhof Alexanderplatz. „Wir haben den Wiederaufbau nach dem Krieg erlebt, die Folgen des Mauerbaus überstanden“, sagt er, „jetzt hoffen wir, dass es endlich fertig wird.“ Seit Jahren wird auf und unter dem Alex gebuddelt, manchmal über das Maß hinaus, was ein Einzelhändler ertragen kann – zum Beispiel, wenn die Kunden wegbleiben. „Jetzt sehen wir optimistisch in die Zukunft.“ Ellenbergers Optimismus erstaunt angesichts der Großbaustelle Alex. Das Pflaster wird neu verlegt, der U-Bahnhof saniert, das Einkaufszentrum Alexa aus dem Boden gestampft. Aber es hat sich eine Anwohnerinitiative zusammengefunden, die sich in diesem Durcheinander Mut macht, das Ende der Bauarbeiten 2007 herbeisehnt und Perspektiven für den Alexanderplatz entwickelt.

Hochhäuser gehören nicht mehr dazu. Nachdem Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erkannt hat, dass es keinen Sinn macht, an einem stadtentwicklungspolitischen Ziel festzuhalten, für das es keine Nachfrage gibt, dürfen die Alex-Anrainer auch ohne Türme bauen. „In den städtebaulichen Verträgen ist festgelegt, dass die Bauherren die Sockelgeschosse errichten, mit der Option, später ein Hochhaus zu bauen“, sagt die Sprecherin der Verwaltung, Petra Rohland. Und selbst für diese abgespeckten Pläne haben sie noch viel Zeit. Erst 2013 müssen die geänderten Pläne zur Genehmigung vorliegen. Für das Baufeld des amerikanischen Projektentwicklers Hines gibt es schon Baurecht.

„Fakten statt Träume“ ist das Arbeitsmotto der Anrainerinitiative überschrieben, zu der unter anderem der Kaufhof, das Hotel Park Inn, der Fernsehturm und auch die Bekleidungskette C&A gehört, die im September ihre Filiale am Platz eröffnen will. Am 24. Mai sind zunächst die Bauarbeiten im Kaufhof offiziell beendet und zur Fußball-WM soll der Platz provisorisch hergerichtet sein. Gut möglich, dass Uwe Ellenberger mit seinem Optimismus Recht behält.

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