Berlin : Abschleppen – damit die Kasse stimmt

Das Umsetzen von Autos wird teurer. Eine Million Euro will der Senat damit einnehmen. Aber immer weniger Berliner parken regelwidrig

Jörn Hasselmann

Ein Blick in die Statistik und schon wirkt die Hoffnung des Senats komplett unbegründet, dass man durch Erhöhung der Abschleppgebühren ab 2004 eine Millionen Euro mehr einnehmen zu könne als diesem Jahr. Wie berichtet steigen die Gebühren im neuen Jahr um 17 Prozent von 137 auf 160 Euro. Nach 18 Uhr werden 181 Euro fällig (plus 15 Prozent, bislang 158 Euro). Da aber die Zahl der abgeschleppten Fahrzeuge seit Jahren rückläufig ist, werden Jahr um Jahr trotz steigender Gebühren dieselben Beträge eingenommen. Im Jahr 2003 sank die Zahl der Umsetzungen um etwa zehn Prozent. Bis Mitte Dezember wurden 65 375 Falschparker umgesetzt, im gleichen Vorjahreszeitraum waren 72 038. Im Jahr 2000 rechnete das Land noch mit 80000 abgeschleppten Autos. Der Sprecher der Innenverwaltung bestätigte, dass die im Haushalt eingeplante Summe in diesem Bereich seit vielen Jahren konstant ist. Durch die steigenden Gebühren wurde also hauptsächlich der Rückgang der Abgeschleppten ausgeglichen. Zuletzt waren die Gebühren nach der Umstellung auf den Euro erhöht worden.

Die Polizei führt den Rückgang auf die Abschreckung durch die hohen Preise zurück. „Die Leute achten mehr auf ihr Geld und riskieren nichts mehr“, sagte Michael Zeilbeck von der Verkehrspolizei. Angesichts der wirtschaftlichen Flaute zahlen auch Firmen nicht mehr so wie früher ohne weiteres für die Verfehlungen ihrer Angestellten. Heutzutage reichen Firmen die Rechnung für das Abschleppen an die Fahrer weiter, sagte Zeilbeck.

Abgeschleppt wird nur, wenn andere Verkehrsteilnehmer stark behindert werden. So zum Beispiel auf Busspuren, Straßenbahngleisen, Behindertenparkplätzen, Feuerwehreinfahrten und Taxiständen. Viele Fahrzeuge werden auch bei Großveranstaltungen vom Straßenrand geholt. So wurden beim diesjährigen Marathon 955 Autos abgeschleppt. Wer mit seinem Blech „nur“ eine Hauseinfahrt versperrt, hat meist Glück. Dort versuchen Polizisten zunächst den Halter zu ermitteln und zu erreichen.

Für Autofahrer, die ihr Auto vermissen, hat die Polizei jetzt ein neues Service-Telefon geschaltet. Unter 4664-987800 erfährt man, ob ein Auto von der Polizei sicher gestellt oder abgeschleppt wurde – und wo es aktuell steht. Gibt es unter dieser Nummer keinen neuen Standort, dann wurde der Wagen gestohlen. Zusätzlich zu den Abschleppkosten muss natürlich das Knöllchen für das Falschparken bezahlt werden. Auch diese werden ab voraussichtlich April kommenden Jahres in einem bestimmten Fall teurer: Falschparker, die Rettungsfahrzeuge behindern, müssen dann 40 Euro zahlen und bekommen zusätzlich einen Punkt in Flensburg. Bisher kamen sie mit einer Verwarnung und 35 Euro davon.

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