Berlin : Abspann auf dem Abenteuerspielplatz

Mit dem Filmfestival „Brunnywood“ an ungewöhnlichen und versteckten Orten soll sich das Brunnenviertel als Kiez neu entdecken.

Pauline Piskac
Die Sterne gucken zu. Wie auf einer stimmungsvollen Gartenparty fühlen sich die Besucher des Brunnywood-Festivals, das noch bis zum 24. August läuft. Foto: Kilian Müller
Die Sterne gucken zu. Wie auf einer stimmungsvollen Gartenparty fühlen sich die Besucher des Brunnywood-Festivals, das noch bis...

Leise Elektroklänge wabern über den Schulhof, dunkelrot leuchtende Wohnzimmerlampen haben einen Platz zwischen den bunten Liegestühlen gefunden, vielfarbige Lichtgirlanden schlängeln sich durch die Bäume. Was zunächst wie eine liebevoll improvisierte Open-Air-Party anmutet, nennt sich „Brunnywood“. Hollywood im Brunnenviertel? Eher nicht. Zumindest die Filmauswahl setzt eher auf Individualität statt Blockbuster. Und auch die Schauplätze sind nicht gerade glamourös. Und genau darum geht es. Bis zum 24. August gibt es an versteckten, untypischen Orten im Weddinger Brunnenviertel Kino unter freiem Himmel.

Zum Start am vergangenen Freitag wurde eine kleine, baumumwachsene Grünfläche inmitten des betonierten Schulareals der Ernst-Reuter-Oberschule zum Freiluftkino umgewandelt – eigene Popcornmaschine und Bar inklusive. Initiiert hat das Projekt das Quartiersmanagement Brunnenviertel-Ackerstraße, das in der jährlich stattfindenden Kiezwerkstatt gemeinsam mit Anwohnern des Viertels Vorschläge zur kulturellen Belebung des Ortes sammelt und bespricht. Hier entstand im vergangenen Jahr die Idee zum Kino als Bindeglied zwischen Nachbarschaftstreffen und Kulturevent. Durchgeführt wird es nun von den Organisatoren des Kurzfilmfestivals „Moviemiento“. „Multikulti und Berlin“, fasst Moviemiento-Organisatorin Julia Schneeweiß das Filmprogramm zusammen. An ein internationales, vor allem aber junges Publikum habe ihr Team bei der Auswahl gedacht, schließlich sind siebzig Prozent der 8500 Bewohner des Brunnenviertels unter 35 Jahre, ein Viertel sogar unter 18.

Das gemeinsame Filmeschauen sei aber nicht nur als Spaßveranstaltung zu verstehen, sagt Quartiersmanagerin Safak Yildiz. „Es geht darum, die Bildung zu stärken und die Lebenssituation vor Ort zu verbessern.“ Es sei der Wunsch der Anwohner gewesen, dies über die Kultur zu tun.

Alle Filmvorführungen sind kostenlos. Finanziert wird das Ganze vom Quartiersmanagement der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Europäischen Union. Ein Konzept, das offenbar den Nerv der Anwohner trifft. Leute aus dem Kiez, ehemalige und neue Weddinger mischen sich. Auch aus den Nachbarbezirken sind viele gekommen, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Neukölln, ja sogar aus Cancún in Mexiko – doch das wohl eher nicht extra für das Filmfestival. Die meisten sind begeistert von der gemütlichen Atmosphäre. Mehr davon, fordern viele, „eine wunderschöne, niedliche Oase“, sagt eine Zuschauerin.

Gegen halb neun ist es bereits schwierig, einen der Liegestühle zu ergattern. „Football undercover“ wird gezeigt, ein Dokumentarfilm über das Aufeinandertreffen einer iranischen und einer deutschen Frauenfußballmannschaft in Teheran von Ayat Najafi und David Assmann. Regisseur Najafi ist anwesend und freut sich, sein Werk, das 2008 auf der Berlinale lief und im selben Jahr den Teddy Award gewann, noch mal auf Großleinwand zu sehen. Als der Film beginnt, legen noch schnell einige Zuschauer ihre Decken in die erste Reihe vor die Liegestühle. Popcornduft weht durch die Reihen und bei leisen Szenen hört man Grillen zirpen. Ein bisschen wie Urlaub fühlt sich das an.

Viele der Zuschauer wollen an diesem Wochenende wiederkommen, wenn der Abenteuerspielplatz am Humboldthain zum Freiluftkino umgewandelt wird. In der Woche darauf wird dann der Gartenplatz bespielt. An beiden Wochenenden gibt es vorm Film eine Einführung mit den Regisseuren und Akteuren. Grillenzirpen kann allerdings nicht garantiert werden.

Fr. und Sa., Einführung ab 20.30 Uhr, Filmbeginn um 21.30 Uhr, jeweils mit Kurzfilmprogramm. Das Festival schließt am 23. und 24. August mit den Filmen „Kuma“ und „Neukölln Unlimited“. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos unter: www.moviemiento.org

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