Berlin : Absteiger: Autobahnbau vertrieb Familien

Vor vielen Jahren hatte die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen hier ihr Quartier bezogen. „Brückenbau-Bauleitung“ steht auf dem verwitterten Schild. Dahinter liegt eine private Müllhalde, umsäumt von jungen Birken. An der Gottlieb-Dunkel-Straße in Tempelhof warten noch viele Brachen darauf, von einem Investor wachgeküsst zu werden. Die Kneipe an der Ecke zum Tempelhofer Weg hat dichtgemacht. Hinter den graubraunen Wohnblöcken dominiert das Kraftfahrzeuggewerbe. Überirdisch. Unter der Erde verläuft die Stadtautobahn.

Die Gegend hier ist abgestiegen, das glaubt jeder, der sich hinverirrt. Der Sozialstrukturatlas hat den Kiez von „niedrig“ auf „sehr niedrig“ heruntergestuft, weil immer mehr Menschen wegziehen, besonders Familien mit Kindern unter sechs Jahren. Durch den Bau der Autobahn war hier jahrelang Baustelle, viele hatten genug von Lärm und Staub. Davon hat sich die Straße bisher nicht erholt.

Vor der ehemaligen Kneipe schnorrt ein Mann mit gegerbtem Gesicht Zigaretten. Als er nicht fündig wird, wechselt er die Straßenseite Richtung „Reifen-Müller“. Die „Gagfah“ wirbt unverdrossen: „Ein neues Zuhause finden sie hier“, was sicherlich stimmt. Im Wohnblock dahinter sind noch genügend Wohnungen frei. Richtung Neukölln liegt ein stillgelegtes Krankenhaus zur Linken, zur Rechten verfällt ein Verwaltungsgebäude. loy

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