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Abstimmung im Internet : Polizeisong zur Nachwuchswerbung abgelehnt

"Verdammt, was sind wir sexy": Das singen zwei Mitarbeiter der Berliner Polizei. Eignet sich ihr Song "Herzlich willkommen" zur Nachwuchswerbung? Im Internet wurde abgestimmt. Das Ergebnis: Der Song wird nicht verwendet.

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"Polizist sein ist etwas ganz Besonderes", singen die Beamten über ihren Beruf - wie man auch an ihren Kollegen im Einsatz am Kottbusser Tor im März sehen kann.
"Polizist sein ist etwas ganz Besonderes", das wissen die Polizisten am besten. Bald für vier Millionen Berliner.Foto: Paul Zinken/dpa

Zwei Berliner Polizisten haben ein Lied zur Nachwuchswerbung geschrieben - die Polizei ließ über die Eignung im Internet abstimmen. Laut Angabe der Polizei haben 15.683 Personen an dem Voting teilgenommen. 55 Prozent stimmten gegen eine Verwendung des Liedes, 45 Prozent waren dafür. "Trotz der Knappheit dieses Ergebnisses werden wir das Lied nicht als unseren Werbesong verwenden", schreibt die Polizei auf Facebook. Somit wird auch kein Werbevideo produziert. Bei der Auszählung war es zu technischen Fehlern gekommen, die Zahl von 74.662 Teilnehmern auf der Homepage der Polizei ist laut der Pressestelle nicht korrekt, da das System nicht einwandfrei funktionierte.

In dem Song "Herzlich Willkommen" heißt es: "Greif nach den Sternen, werde einer von uns" und "Polizist sein ist etwas ganz besonderes". "110, bewirb dich jetzt", singt eine Frauenstimme. "Polizist sein, das steckt tief in deinem Herzen, einer für alle, alle für einen", sprechen Männerstimmen zu einem Sound irgendwo zwischen Club und Kirmes. "Verdammt, was sind wir sexy, wir sind Hauptstadt-Polizisten in der coolsten Stadt", heißt es weiter.

"Was halten Sie von dem Song?"

Die Berliner Polizei stellte das Stück am Freitag auf ihre Facebook-Seite und fragte: "Was halten Sie von dem Song? Wenn das Lied bei Ihnen gut ankommt, wird es künftig als Werbesong eingesetzt und ein Musikvideo dazu produziert." Das Lied wurde mehr als 100.000 Mal heruntergeladen (hier finden Sie die MP3).

Auf Facebook erreichte es laut Angaben der Polizei 1, 5 Millionen Menschen und wurde 10.000 Mal "geliked". In dem Sozialen Netzwerk finden sich zahlreiche Kommentare. "Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt. Der Song ist peinlich", kommentiert beispielsweise der Facebook-Nutzer Marcel Präfke. So manch anderer vermutet ironisch einen nachträglichen Aprilscherz. "Dass ihr das überhaupt zur Abstimmung freigebt, zeigt, dass ihr absolut keine Ahnung von der Jugend habt", schreibt Franziska Kühn. Insgesamt überwogen kritische Meinungen. Bis zum 20. April sollten Hörer ihre Kommentare zu dem Lied abgeben.

Es erinnert ein wenig an den Song zur Olympia-Bewerbung, der mäßige Begeisterung auslöste. Auch hier kam der Impuls von zwei Berlinern, die ein Lied bastelten und den Kampagnenmachern vorschlugen.

Produziert haben den Song zwei Berliner Beamte im mittleren Dienst, die derzeit ihre Ausbildung zum gehobenen Dienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht absolvieren, sagte der Pressesprecher der Polizei von Berlin, Stefan Redlich. Für die Polizeibehörden entfielen keine Kosten.

Macher des Liedes: "Ein absoluter Wahnsinn, der uns stolz macht"

Der Produzent und Organisator ist 30 Jahre alt, der Sänger und Sprecher des Liedes 34. Bei der Sängerin handelt es sich um die 27-jährige Freundin des Produzenten. Sie ist keine Polizistin. Die Männer haben ihr Lied laut Redlich von sich aus als Werbesong angeboten.

Mit der Verkündung des Ergebnisses stellten sich die Macher des Liedes als Jasmin und Thomas vor. Sie bedanken sich für die vielen Meinungen und bei der Berliner Polizei. "Der Song lief in diversen Radiosendern, wurde in der Presse thematisiert und etliche Male geklickt. Ein absoluter Wahnsinn, der uns stolz macht", schreiben die beiden im Facebook-Eintrag der Polizei.

Die Berliner Polizei stellt im wöchentlichen Abstand verschiedene Beamte und Mitarbeiter mit ihren Aufgaben und Werdegängen vor. Die Kampagne nennt sich "Das sind wir".


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