Abstimmung : In den Ostbezirken war das Interesse gering

Tagesspiegel-Redakteurin Claudia Keller war zu Besuch in Wahllokalen in Lichtenberg und Friedrichshagen.

Claudia Keller

Im Treptow-Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen, wenige Schritte vom Ufer des Müggelsees entfernt, sind viele Eltern mit kleinen Kindern zu Hause. Eigentlich müsste der Volksentscheid hier viele Anwohner mobilisieren. Bis 12 Uhr hatten hier in einem Wahllokal, wenige Straßen vom Ufer des Müggelsees entfernt, aber nur zehn Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, rund 200 Personen.

Er habe für den bestehenden Ethikunterricht gestimmt, sagt ein junger Vater, der einen Kinderwagen schiebt. Ihm gefalle die Idee, Kinder unterschiedlicher Religionen gemeinsam über Werte und Ethik zu unterrichten. In zwanzig Minuten kommen zehn weitere Wähler auf den Schulhof. Acht von ihnen sagen, dass sie sich gegen Pro Reli entschieden haben. Sie argumentieren, dass religiöse Erziehung nicht Sache der Schule sein könne und dass gemeinsamer Unterricht besser sei als die Aufsplittung nach Religionen im Religionsunterricht.

Eine Frau, vielleicht Mitte 60, hat ihr Kreuz für Pro Reli gemacht. „Ich habe sehr lange hin und her überlegt“, sagt sie. Sie habe sich viel mit ihrer 13-jährigen Enkelin über den Ethikunterricht unterhalten. Das sei schon sehr „flach“, was dort unterrichtet werde. Deshalb hat sie für den Religionsunterricht als Alternative zum Ethikunterricht gestimmt, obwohl sie selbst kein Kirchenmitglied sei.

„Zehn Prozent? Schön wär’s“, sagt die Leiterin eines Wahllokals in der Nöldnerstraße in Lichtenberg. Die Wahlbeteiligung sei bis Mittag sehr gering gewesen. Und wer hier zur Wahl geht, scheint für den bestehenden Ethikunterricht zu stimmen. „Der Ethikunterricht ist für die Integration der Kinder, die in Berlin aus so unterschiedlichen Haushalten kommen, besser, als wenn die Schüler in Ethik- und Religionsunterricht aufgeteilt werden“, sagt ein junger Mann, bevor er auf seinem Mountainbike davonradelt. clk

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