Berlin : Abstimmung: Von Tag zu Tag: Schwarz? Rot? Gold?

Andreas Conrad

Das Neue Berlin sieht sich selbst gern als kunterbunte Metropole, nur sein Wahrzeichen, das Brandenburger Tor, blieb unverständlicherweise bislang unifarben. Daran wird sich aus Gründen des Denkmalschutzes leider kaum etwas ändern, nur stellt sich begleitend zur aktuellen Restaurierung doch die Frage, ob die Farben der Vergangenheit wirklich Zukunft haben. Die Wahl zwischen Mehlweiß, Milchkaffee-Ton, frischem Steingrau oder dem gewohnten Naturzustand muss schon deswegen schwer fallen, da eines so dröge ist wie das andere.

Das muss nicht sein, der oberhalb dieser Zeilen unterbreitete Vorschlag der Tagesspiegel-Farbfindungskommission spricht für sich - und die mit Magentarot gemeinhin verknüpfte Telekom. Ja, lässt man die kurzsichtige Beschränkung aufs Historische fallen, bieten sich ungeahnte Möglichkeiten - auch des Sponsorings. Manche Firma setzt auf die Wunderkraft der Farbe, über die sie sich ins Bewusstsein der Kundschaft einzugraben versucht - mit schönstem Erfolg, man denke nur an Ferrari-Rot, Mercedes-Silber, Aral-Blau, Yello-Gelb, Grieneisen-Schwarz oder auch die gute alte Ado-Gardine - die mit der Goldkante. Zudem sollte man farblich nicht länger in Jahrhunderten denken, wie dies bei derartigen Bauwerken leider immer noch üblich ist. Der rosa Telekom-Panther wurde vielleicht längst verspeist, dem gelben Strom hat man den Stecker rausgezogen, aber das Tor trägt weiter ihre Farben? Undenkbar. Gottlob steht für solche Fälle mittlerweile Anti-Schmierfink-Lasur bereit, mit der sollte man das Tor komplett anpinseln. Der Sponsorenwechsel wäre technisch nicht länger ein Problem. Reinigungsmilch und Hochdruckreiniger genügen.

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