Berlin : Abstriche am "Südkreuz"

Klaus Kurpjuweit

Der große Bahnhof beginnt ganz klein. Der Bahnhof Papestraße, der als so genanntes Südkreuz zur zweitwichtigsten Station der Stadt nach dem Lehrter Bahnhof werden soll, erhält zunächst nur einen Bahnsteig für den Regionalverkehr. Die zwei weiteren vorgesehenen Fernbahnsteige sollen später gebaut werden. Abstriche an der Planung gibt es auch bei der S-Bahn. Die Halle über der Ringbahn wird nach Angaben der Bahn nicht so aufwendig gebaut, wie es der Architekt Max Dudler konzipiert hat. Die erste Baustufe soll Ende 2005 abgeschlossen sein. Dann will die Bahn mit Regionalzügen aus dem Süden bis zur Station Potsdamer Platz fahren - mit Halt am zunächst einzigen Bahnsteig im Mini-Bahnhof Papestraße.

Papestraße gehört zum "Pilzkonzept" der Bahn. Trotzdem hatte die Bahn erwogen, auf den Bau des "Südkreuzes" zunächst zu verzichten, um Geld zu sparen. Der Bahnhof, zu dessen Planung auch zwei Parkhäuser für zusammen mehr als 2500 Autos gehören, soll etwa 300 Millionen Mark kosten. Derzeit versuche die Bahn, die Kosten zu reduzieren, sagte gestern Projektleiter Dieter Borcherding. Noch nicht entschieden sei, ob schon in der ersten Baustufe zumindest die Grundkonstruktionen für die zwei anderen Fernbahnsteige miterrichtet werden. Würden sie später unter laufendem Betrieb gebaut, seien die Kosten höher als jetzt.

Bereits jetzt muss so gebaut werden, dass die S-Bahn weiter fahren kann. Der Bahnsteig der Ringbahn wird in der neuen Station direkt über den Nord-Süd-Bahnsteigen liegen und muss deshalb neu gebaut werden. Um dafür Platz zu schaffen, nutzt die S-Bahn auf dem Ring vorübergehend die Gütergleise, deren Anlagen als erste neu gebaut werden. Am Wochenende werden zunächst die neun alten Brückenteile über der Naumannstraße und den Nord-Süd-Gleisen abgerissen. Die Naumannstraße wird deshalb von Freitag, 22 Uhr, bis voraussichtlich Montag, 4 Uhr, gesperrt. Bei der S-Bahn wird der Verkehr zwischen Anhalter Bahnhof und Papestraße unterbrochen.

Ende 2002 sollen die neuen Brücken für die Gütergleise fertig sein und von der S-Bahn genutzt werden. Erst dann kann der eigentliche S-Bahnsteig neu gebaut werden, der 30 Meter breit sein wird, weil er auch die Verbindung zwischen Schöneberg und Tempelhof herstellen soll. Das gesamte Brückenbauwerk wird rund 280 Meter lang werden. Ende 2005 soll die "Station der kurzen Wege" für die S-Bahn fertig sein.

Im Bau sind auch bereits Abschnitte der Nord-Süd-Fernbahn zwischen dem im Rohbau fertigen Tunnel unter dem Tiergarten und dem Priesterweg, wo sich die Anhalter und die Dresdner Bahn verzweigen. Dieser knapp vier Kilometer lange Abschnitt wird viergleisig. Über der Yorckstraße werden dafür neue Stahlbrücken eingebaut. Die Arbeiten zwischen Gleisdreieck und Priesterweg sollen - ohne den Bahnhof Papestraße - etwa 300 Millionen Mark kosten.

Bis Ende des Jahres sollen die Aufträge für den Gleisbau in den vier Tunnelröhren vom Gleisdreieck bis Lehrter Bahnhof vergeben werden. Auch hier wollte die Bahn zunächst nur zwei der vier Röhren ausbauen. Inzwischen hat sie erkannt, dass dadurch kaum etwas gespart würde, so dass doch alle vier Röhren gleichzeitig in Betrieb gehen.

Unklar ist aber weiter, wann die Züge den Lehrter Bahnhof erreichen. Offiziell beharrt die Bahn auf dem Jahr 2006, intern glauben die Planer schon längst nicht mehr an diesen Termin. Noch immer gibt es für den Bau des riesigen Glasdaches keine Genehmigung.

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