Berlin : Absturz am Hauptbahnhof: Planungsfehler Frage der Verantwortung

ist aber weiter ungeklärt

Klaus Kurpjuweit

Der Absturz eines Stahlträgers am Hauptbahnhof beim Sturm „Kyrill“ am 18. Januar vergangenen Jahres ist auf einen Planungsfehler zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis ist der gerichtlich beauftragte Sachverständige gekommen, dessen Gutachten dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorliegt. Darin stellt der Sachverständige fest, dass die „Lagesicherheit“ der Träger nicht geprüft worden sei.

Wer allerdings für den Absturz des Trägers, bei dem niemand verletzt wurde, verantwortlich ist, bleibt weiterhin unklar. Die Juristen der Bahn wollen das Gutachten zunächst prüfen, sagte ein Sprecher gestern. Erst danach werde sich das Unternehmen äußern.

Zu einem ähnlichen Schluss wie das jetzige Gutachten war im vergangenen Jahr bereits das Landgericht in einem Verfahren der Bahn AG gegen den Architekten Meinhard von Gerkan gekommen. Damals stellte sich heraus, dass ursprünglich vorgesehen gewesen war, die 1,35 Tonen schweren Stahlträger fest zu verankern. Nur ein Teil dieser Träger hat eine tragende Funktion, die anderen sind bloß Schmuckelemente, die einfach in die Konstruktion eingehängt wurden und durch ihr Eigengewicht stabil sein sollten.

Bei der vom Architekten vorgesehenen Verankerung hatte die Bahn befürchtet, dass Regenwasser im Winter zu einer starken Eisbildung führen könnte, die Passanten gefährden würde. Das Architekturbüro war damit einverstanden, auf die Halterungen zu verzichten. Dabei sei ihnen allerdings nicht bekannt gewesen, dass auch weitere absichernde Teile nicht installiert werden sollten, argumentierten die Architekten damals vor dem Landgericht.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages, der die jetzige Studie mehrfach angefordert hatte, erhielt das Gutachten bereits Ende Mai, wie der Vorsitzende des Gremiums, Otto Fricke (FDP), gestern bestätigte. Und auch Bahnchef Hartmut Mehdorn schrieb den Abgeordneten bereits, dass es einen Planungsfehler gegeben habe. Der Bahn sei aber nicht bekannt gewesen, dass die Lagesicherheit der Träger nicht gewährleistet gewesen sei.

Nach dem Absturz des Trägers im Januar 2007 ließ die Bahn alle Elemente fest verankern, was dann problemlos möglich war. Klaus Kurpjuweit

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