Berlin : Abwasserflut lässt Brunsbütteler Damm brechen

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Spandau. Nur Sekunden zuvor war ein Bus vorbei gefahren. Er stand am Donnerstagabend noch an der etwa 15 Meter entfernten Haltestelle, als am Brunsbütteler Damm - schräg gegenüber des Springer-Druckzentrums - der Asphalt nachgab und in einem schätzungsweise drei bis vier Meter tiefen Loch versank. Aber da war die Unglücksstelle bereits von aufmerksamen Wasserwerkern abgesperrt worden.

Vermutlich über Wochen war das Erdreich von einem defekten Abwasserrohr regelrecht verschluckt worden. Um die defekte Stelle hatte sich ein Loch von circa drei mal fünf Metern gebildet. Zum Schluss nur verdeckt durch eine 35 Zentimeter dicke und mehrere Zenter schwere Asphaltdecke. Am Donnerstagabend gab die Decke unter dem eigenen Gewicht nach und brach ein. Seither ist der Brunsbütteler Damm Richtung Rathaus Spandau gesperrt. Die Reparaturarbeiten werden den Wasserbetrieben zufolge schätzungweise eine Woche dauern.

Gestern konnte die defekte Stelle an dem Abwasserrohr mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern zunächst nicht lokalisiert werden. Am Nachmittag sollte eine ferngesteuerte Kamera eingesetzt werden. Das Abwasserrohr ist etwa 30 Jahre alt - kein Alter für eine derartige Leitung, sagte Oswald Magnus von den Wasserbetrieben. Die Leitung führt zum Klärwerk Ruhleben. Dort hatte man offenbar auch die ersten Unregelmäßigkeiten bemerkt: Es kamen immer weniger Abwässer an. Sand und Erdreich waren durch die defekte Stelle eingedrungen und hatten das Rohr im Lauf der Zeit zugesetzt. Daraufhin wurde ein Inspektionsteam losgeschickt, das frühzeitig die Risse im Asphalt bemerkte und die Stelle absperrte.

Der Schaden entstünde nicht innerhalb von wenigen Augenblicken, sondern habe sich über einen längeren Zeitraum entwickelt - Tage, Wochen, möglicherweise sogar Monate, sage Magnus. Die Rohre seien sehr stabil; ein solcher Unfall ereigne sich nur selten. Im Juli 1997 war an der Solmsstraße in Kreuzberg ein 26 Tonnen schwerer Lastwagen eingebrochen. Damals allerdings war die Straße durch einen Wasserrohrbruch unterspült worden. Ein hundert Jahre altes Graugussrohr war geborsten und hatte den Asphalt unterspült. Im Januar 1999 hatte ein Wasserrohrbruch den Verkehr auf der Mollstraße / Karl-Liebknecht-Straße in Mitte unterspült. Das damals 39 Jahre alte Frischwasserrohr aus Grauguss war vermutlich durch die Erschütterungen des Auto- und Schwerlastverkehrs gebrochen. Die Kreuzung wurde für über eine Woche zur Baustelle.

So lange wird es vermutlich auch in Spandau dauern. Nach Pfingsten wird der Brunsbütteler Damm wieder uneingeschränkt befahrbar sei, sagte Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe. Bis dahin aber leitet die Polizei den Verkehr in Richtung Innenstadt über die Gegenfahrbahn. Damit sind an der stark befahrenen, sechsspurigen Ost-West-Magistrale Behinderungen und Staus besonders während der Hauptverkehrszeiten am Vormittag und Abend unvermeidbar.

Ein Unglück kommt selten allein: Da derzeit entlang des Brunsbütteler Damms auch die Frischwasserleitungen erneuert werden, waren zahlreiche Anwohner seit Donnerstagabend 22 Uhr auch ohne Wasser.

Rund 9000 Kilometer lang sind die Abwasserkanäle, die sich durch die Unterwelt der Stadt ziehen, sagte Natz. Durchschnittlich werden sie alle zehn Jahre inspiziert. Dabei werden ferngesteuerte Kameras in den Kanälen versenkt. Die Rohre werden auf schadhafte Stellen untersucht und notfalls ausgebessert. weso

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