Berlin : Ach, Spandau

Werner van Bebber

untersucht das neue Werbekonzept der Ex-Havelstadt Spandau wird gerade neu erfunden. Das Städtchen bei Berlin nennt sich künftig „Zitadellenstadt Berlin-Spandau“. Vorher hieß es „Havelstadt Spandau“. Auf die Zitadelle als Attraktion sind Werbefachleute mit Hilfe von EU-Fördergeldern gekommen. Zuvor hatten Berliner Stadtwerbe-Experten die Zitadelle als Marketing-Produkt abgelehnt. Wegen uneinheitlicher Öffnungszeiten sei sie nicht zu vermitteln. Das hat die Vorstadtvermarkter nicht geschreckt – im Gegenteil. Mit dem typischen Spandauer Sonderbewusstsein lassen sie die Havel vor sich hinmodern und rüsten auf, marketingmäßig. Marketingfachleute ordnen stets alle Produkte in einer homogenen Produktlinie. Deshalb ist die neue Internetseite spandau-live.de orange, wie die Zitadelle rot ist. Unter dem Zitadellen-Logo liest man: „In Kürze entsteht hier das neue Tourismus-Portal für Spandau“. Das wird schon. Wie schrieb Theodor Fontane in den Wanderungen über „Spandau und Umgebung“ am Ende eines Besuchs in der Kirche St. Nicolai: „Nun ist die Sonne unter, die Nebel steigen auf… Das Havelland träumt wieder von alter Zeit.“ Fontanestadt Spandau, das wäre was.

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