Berlin : Achim de Teba (Geb. 1951)

Den Kampf gegen die Drogen hatte er selbst geführt

Felix Lampe

Drogensucht heißt: ohne Stoff nicht leben können. Entzug bedeutet: es trotzdem wollen. Und sich in einem ersten Schritt der Unruhe, den Schweißausbrüchen, dem Zittern, der Angst, dem Brechreiz, den Depressionen, dem Kopfschmerz, der Gier zu stellen. Kalter Entzug bedeutet: die Entzugssymptome werden nicht durch Medikamente gelindert. Umso wichtiger ist es, jemanden zu haben, der einen durch diese schweren Tage begleitet, der einem Halt und Struktur gibt, wo auf einmal alles ins Wanken gerät. Der einem zuhört und Mut zuspricht, wenn man es nicht mehr aushält. Der sich einem zuwendet, wenn man sich verlassen fühlt, und der sagt: „Ich bin da.“ So einer war Achim de Teba.

Vielleicht war er deshalb ein so guter Begleiter, weil er den Kampf gegen die Drogen selbst geführt hatte, mit allem, was dazugehört. Es war Anfang der achtziger Jahre, eigenständige Sucht-Kliniken waren grade erst im Aufbau, als sich der gebürtige Mönchengladbacher zusammen mit seiner Frau in eine Therapie in Bayern begab. „Daytop“ hieß das Selbsthilfe-orientierte Programm, mit dem es beide schafften, von ihrer Sucht loszukommen. Der nächste Schritt bestand darin, Arbeit zu finden. In Berlin wurde gerade das „Drogen Therapie Zentrum“ aufgebaut. Wie ihm geholfen worden war, so wollte er jetzt anderen helfen – und auf ging es nach Berlin. Der gelernte Erzieher wurde zuerst Hausleiter in der neuen Einrichtung am Wannsee und arbeitete später in der Entgiftungsklinik namens „Count Down“ in der Frankfurter Allee.

Achim de Tebas Job war es, die Süchtigen über die ersten zehn Tage des kalten Entzugs zu bringen. Therapiesitzungen und auch Putzen, Kochen, gemeinsames Essen standen auf dem Programm. Alltäglichkeiten, die für die Süchtigen alles andere als alltäglich waren. Achim de Teba navigierte geschickt auch durch die spannungsreichsten Tage; mit Schwierigkeiten und Provokationen war immer zu rechnen. Liebevoll ging er auf jeden ein, vermochte aber auch streng zu sein, wenn es die Situation erforderte.

Sein Zauberwort hieß: Zuwendung. Die war vor allem während des Nachtdienstes wichtig. Gerade abends, wenn sich die Schatten noch dunkler auf einen ringenden Patienten senkten, spürte Achim de Teba, wenn es kritisch wurde, wenn einer mit gesenktem Kopf dasaß und ans Aufgeben dachte. Er kämpfte um jeden. Und natürlich kämpfte er gegen den Frust, wenn es wieder einer nicht geschafft hatte, die Therapie abgebrochen hatte und in sein altes, zerstörerisches Leben zurückgekehrt war. Da war es schwer, bei der Sache zu bleiben, zu hoffen, dass die anderen stärker sein würden und sich helfen ließen. Er wusste ja, wie lange und wie schwer der Kampf ist.

Er war Vater von drei Kindern und hatte zu jungen Leuten einen besonders guten Draht. In der Jugendkultur fühlte er sich zu Hause, da war Bewegung und Aufbruch, vor allem in der Musik: Independent music, Surfpunk, Konzerte von jungen Berliner Bands. Wenn man Achim de Teba am Wochenende suchte, musste man sich auf den Flohmärkten umsehen, wo er die Plattenkisten nach Alben für seine Sammlung durchstöberte. Seine zweite Leidenschaft war das Malen. Schon im Kölner Raum war er in Künstlerkreisen unterwegs gewesen, hatte Kontakt zu Jörg Immendorf gehabt. In Berlin engagierte er sich in der Galerie des Kunstvereins „Acud“, der in einem anfangs besetzen Haus in Prenzlauer Berg saß. Zuletzt war er bei den „Stop Watching Us“-Demonstrationen aktiv, die gegen staatliche Überwachung mobil machten.

Er setzte sich für so vieles und für so viele ein, er half. Und er wusste zu gut, wie schwer es ist, sich selbst helfen zu lassen.

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