Berlin : Achteinhalb Stunden dauerte es, bis der kleine Bulle da war - und 145 Kilo wiegt er

Hans Toeppen

Mütter der Stadt, zieht euch warm an, Väter auch. Kleine Kinder lieben kleine Elefanten. Im Zoo gibt es seit gestern einen: Um 7 Uhr 45 hat er das Licht des Elefantenstalls erblickt und ist noch ein bißchen wacklig auf den Beinen. Grau und klein steht er bei seiner Mutter, umhegt und umsorgt von Scharen von Tierärzten, Pflegern und Offiziellen, ein Hof-Fotograf hat ihn ablichten dürfen, aber die Welt wird noch warten müssen, bis sie ihn betrachten darf. Denn vorerst bleibt der Kleine, der "Kiri" - thailändisch für Berg - heißen soll, in der abgeschirmten Elefanten-Krippe, wo selbst die hartgesottenen Bengel der Boulevardpresse angeblich keinen Zutritt haben. Aber in Kürze soll der Nachwuchs präsentiert werden, und dann, Mütter der Stadt, zieht euch warm an.

Der Tierpark in Friedrichsfelde hat im vorigen Jahr erleben dürfen, was ein kleiner Elefant für einen Zoo so bedeutet: Popularität über die Maßen, Foto-Exzesse und Reporter-Lyrik, Andrang, nein, Ansturm aller Kinder der Stadt, die den niedlichen Rüssel sehen wollen und sich des warmen Gefühls nicht erwehren können, dass sie gerne einen kleinen Elefanten im Kinderzimmer hätten - einen wie "Tutume" und "Matibi" also.

Nun hat auch der Zoo am Hardenbergplatz nach 62 Jahren einen. 668 Tage hat die Tragezeit von "Pang Pha" gedauert, bis Tierarzt und Elefanten-Kurator Andreas Ochs gestern früh sagen konnte: "Er ist da". "Er" hat Ochs gesagt, es ist also ein Bulle. 145 Kilo schwer, ein Meter und zehn in der Höhe, nachmittags wackelte er schon vor dem Fotografen herum. Vormittags brauchte er noch menschliche Assistenz beim Laufen und zarte Führung zum Euter seiner Mutter.

Die ersten Zoo-Besucher drückten sich gestern schon die Nase an der Tür zu den Elefanten, und der ganze Garten rüstet für den Andrang, der da kommen wird. Diese Geburt war wichtig und entsprechend sorgfältig ist sie vorbereitet worden. Die junge Mutter, 13 Jahre alt, wurde seit Wochen ständig beobachtet. Schon im Januar hatten die Veterinäre eine Vorbereitungskonferenz veranstaltet, um für das Ereignis gerüstet zu sein. Und dieser ganze Sachverstand wurde mobilisiert, nachdem die Wehen am Dienstagabend um zehn Uhr begonnen hatten und die Geburt nachts zwischen 2 und 3 plötzlich zu stocken schien. Kurz vor Morgengrauen berieten die Zoo-Leute um Kurator Ochs - der in der Nacht kein Auge zugemacht hat - noch einmal mit den Tierärzten Göretz, Hermes, Lange und Jördens aus ihrem Braintrust: Institut für Wildtierforschung in Friedrichsfelde, Klinik für Fortpflanzung der FU in Düppel und der Pferdeklinik. Aber dann ging alles von allein, um 7 Uhr 45 war die thailändische Elefantenkuh gesunde Mutter eines gesunden Kalbes.

Ein Ereignis. Diana aus Wuppertal wollte gestern eigentlich zu "Tutume" nach Friedrichsfelde, der am Sonntag ein Jahr alt wird. Nun gibt es aber eine neue Weltordnung. Diana ließ sich vor dem Elefantenhaus im Zoo ablichten, zwar mit ihrer "Tutume"-Kerze in der Hand, aber doch ganz auf den Nachwuchs am Hardenbergplatz konzentriert. Geburtstagskerzen für "Kiri" gibt es allerdings noch nicht.

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