Berlin : Achterbahnfahrt der Gefühle

Am 11. September erfuhr Grit Wobig, dass sie ein Kind erwartet

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Der Schock saß. Wie in Trance stieg Grit Wobig nach dem Termin bei der Frauenärztin in den Reisebus. Als dann das Handy klingelte, verstand die Frau nur die Hälfte von dem, was ihr Freund sagte. Terroristen? World Trade Center? Flugzeuge? Die Nachricht erreichte sie nicht. „Ich dachte: Was erzählt der mir da Nebensächliches?“ Die Realität holte die 30-Jährige bald ein, und damit begann eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aus Schrecken, Vorfreude, Angst, Euphorie, Unsicherheit, Fassungslosigkeit. . . Kaum eine Mutter behält ihn im Gedächtnis, sagt Grit Wobig, aber „ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin.“ Vor ihr liegt er nun, zwischen Plüschtieren und einem Spielgerüst: Joshua.

Kinder? Ja, sicher, irgendwann – hatte sie immer gesagt. Aber jetzt? Als freie Jornalistin? Kurz vor dem erhofften Volontariat? „Das passte alles nicht so.“ Ein paar Stunden später saß Grit Wobig im Bus nach Hamburg, um ihrer Schwester Frauke zu besuchen. Auch ihre Schwester Katrin war aus Key West angereist, wo sie mit einem amerikanischen Soldaten verheiratet ist. Die Schwester empfing Grit Wobig weinend, „war kaum ansprechbar, fix und fertig“.

Bei der Schwester sah dann auch Grit Wobig die Bilder aus New York. Begriff, was geschehen war. „Da war die Schwangerschaft erst einmal total weg.“ Ihren heutigen Ehemann, Andreas Wobig (37), überfielen nach dem 11. September zudem die Sorgen um seinen Job bei der „Germania“. Weil bei den Fluggesellschaften die Umsätze einbrachen. Flüge eingestellt wurden. Und man nach dem Djerba-Attentat erst einmal auch noch sämtliche Routen nach Tunesien strich. „Andreas hatte schon Panik arbeitslos zu werden. Jetzt noch mit dem Kind. . .“, sagt Grit Wobig. Joshua kam am 4. Mai auf die Welt. Nach zweieinhalb Stunden Krankenhaus. „Für eine Erstgeburt war das relativ fix.“ kf

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