Achtung Satire! : "Bündnis 100" spottet über Grünen-Kurs

Original und Fälschung sind fast identisch. Wer die neue Website www.buendnis100.de anklickt, meint auf den ersten Blick, beim Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen gelandet zu sein. Doch der Eindruck täuscht.

von und Carmen Schucker
Verkehr wird jetzt grün - die A 100 kommt. Stecken hinter dem "Bündnis 100 Die Grünen" politische Gegner der Grünen?
Verkehr wird jetzt grün - die A 100 kommt. Stecken hinter dem "Bündnis 100 Die Grünen" politische Gegner der Grünen?Foto: Screenshot

Ein Sonnenblumensymbol auf grünem Grund, die Bilder und Schrifttypen sehen aus wie auf der offiziellen Internetseite der Grünen. Erst bei der Lektüre der Texte auf www.buendnis100.de ahnt man, dass es sich um Satire handelt. Die Seite nimmt das aktuelle Geschehen rund um das Thema A 100 aufs Korn. So wird Parteichef Volker Ratzmann in einer angeblichen Erklärung zum umstrittenen Ausbau der Stadtautobahn mit den Worten zitiert: "Wir brauchen, übrigens grade in Bezug auf die A100, jetzt keine Bremsklötze sondern Getriebeöl, damit grüne Politik es in Berlin auf die Überholspur schafft." Daneben ist eine Animation mit einem Lastwagen und einem Geländewagen zu sehen, dazu der Slogan: "Verkehr wird jetzt grün - A 100 wird gebaut!"

Die Grünen distanzieren sich von den "erstunkenen und erlogenen Inhalten", sagt Fraktionssprecher Matthias Schröter. Wer sich hinter der Seite verbirgt, ist unklar. Während die Initiatoren sich hinter einem Pseudonym verstecken und behaupten, ein Kreis von Parteimitgliedern und „hohen Funktionären“ zu sein, ist auch die Vermutung nicht abwegig, dass die politische Konkurrenz ihre Finger im Spiel hat.

Die Geschichte der Berliner Stadtautobahnen
Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.Weitere Bilder anzeigen
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17.03.2017 08:24Januar 2017, Alltag im Berufsverkehr. Die Stadtautobahn, aufgenommen am Spandauer Damm.

In einem 10-Punkte-Plan erläutert das Bündnis 100 auf ihrer Homepage, welche Gründe für den Ausbau der A 100 sprechen. Darin heißt es unter anderem: "Die Autobahn 100 ermöglicht, dass Ost und West noch enger zusammenwachsen" und "Die Autobahn 100 beschleunigt das ökologische Wirtschaftswachstum. Sie schafft viele zusätzliche Arbeitsplätze – schon während der Bauphase; durch beträchtliche Aufträge für die Unternehmen in der Region." Mit dem Wunsch nach ökologischem Wirtschaftswachstum steht das Bündnis ganz in seiner Linie, denn es steht "für ein ökologisch nachhaltiges, wirtschaftlich erfolgreiches und damit auch sozial gerechtes Berlin", heißt es von den Machern der Seite, die allerdings im Verborgenen bleiben wollen.

Zynisch heißt es hingegen über die Grünen, dass sie sich zu "einem ernstzunehmenden und loyalen Partner für fast alle gesellschaftlich wichtigen Bereiche und Schichten entwickelt" haben.

Während die Grünen am Freitag über Koalitionsverhandlungen mit der SPD entscheiden und das Thema A 100 im Mittelpunkt stehen wird, ist im Satire-Land die Entscheidung schon gefällt: "Dass wir die A 100 nicht bauen, ist so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Dieses Risiko gehen wir ein." Mit dieser fiktiven Aussage schaffte es Volker Ratzmann auf der Seite zum Zitat der Woche. Worte, die er so wohl kaum bei dem Parteitag der Grünen in den Mund nehmen würde. Seit der Freischaltung am Mittwoch wurden laut Initiatoren gut 30 000 Besucher auf der Seite gezählt.

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