Adel berichtet ( 23) : 18 Schäfchen später

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Diese Woche war ich melancholisch. Unser Regierender tourt gerade für die SPD durch Bayern. Eigentlich wollte ich unbedingt dabei sein, wenn bei Diskussionen zum Länderfinanzausgleich die Mistgabeln verteilt werden. Leider wollte der Chef meinen Jungdackel Taxi und mich nicht beide gehen lassen, weil ohnehin die halbe Redaktion im Urlaub ist, und außer uns weiß halt niemand, wie man die Entkalkerpatrone in der Espressomaschine wechselt. Taxi hat zwar angeboten, allein die Stellung zu halten, aber das war mir zu riskant. Ich meine: Haben Sie mal in die Zeitung geschaut diese Woche? Ich dachte eigentlich, wir erfinden die ganzen Verkehrsunfälle, damit das Sommerloch nicht so auffällt, aber nachdem ich selber mit sechs Motz-Verkäufern und fünf Kartons Ketchup einen dramatischen Bierbike-Unfall inszeniert habe, steckt mir der Volontär: Das ist alles echt!

Ich will hier keine Panik schüren, aber ganz ehrlich: Man kann draußen kaum noch in Ruhe seinen Bubble-Tee trinken, ohne von herumfliegenden Körperteilen getroffen zu werden. Verfolgungsjagden, Geschwindigkeitsrekorde in Kita-Vorgärten und menschenfressende S-Bahn-Türen – die Kids aus den Sekundarschulen kaufen sich inzwischen lieber einen Tagesspiegel, als abends RTL zu gucken. Weil hier einfach mehr abgeht!

Klar, dass ich in Bayern keine Nacht ruhig schlafen könnte, wenn Taxi ganz auf sich allein gestellt diesem blutrünstigen Sommerverkehr ausgesetzt wäre. Er ist doch so übermütig: Hat sein Skateboard erst eine Woche, und will jetzt schon bei Facebook seinen Namen in „Taxi Hawk“ ändern – nach so einem Skater-Heini.

Um auf andere Gedanken zu kommen, beschließe ich, endlich mal etwas nur für mich zu machen. Ich lege Taxi die DVD mit dem Garfield-Film ein, miete mir einen 7er BMW und fahre in Schrittgeschwindigkeit – sicherheitshalber – zur nächsten BVG-Haltestelle. Eigentlich wollte ich mich mit dem Autoschlüssel neben den Fahrkartenautomaten stellen und auf die nächste Französin warten, die von der Preiserhöhung nichts mitbekommen und deshalb zehn Cent zu wenig für die Heimfahrt eingepackt hat. Aber genau, als ich aussteigen will, kommen die ganzen Horrorgeschichten wieder hoch. Ich schüttele den Kopf. Dann klemme ich 50 Euro für die Politesse an die Windschutzscheibe, lege ein Hörspiel ein und schließe die Augen. 18 Schäfchen später sitze ich beim knallharten 6-Augen-Interview auf der Alm: Nur ich, Wowereit und Karla Kolumna.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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