Adel berichtet (25) : Olympische Träume

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Als am Mittwoch die Nachricht reinkam, dass ein Busfahrer der BVG nach zwei überfahrenen Ampeln positiv auf Kokain getestet wurde, habe ich gleich eine Flasche Sekt aufgemacht. Jetzt sind wir endgültig auf Augenhöhe mit New York und Paris! Nicht falsch verstehen: Mein Jungdackel Taxi und ich halten von Drogen natürlich gar nichts. Höchstens mal eine Flasche Chianti, nach dem Mittagessen. Na gut, oder eine Zigarre, zu besonderen Anlässen. Zum Beispiel, wenn der Volontär wieder einen Platten am Fahrrad hat.

Trotzdem muss man ganz nüchtern einsehen, dass koksende Busfahrer einer der sichersten Indikatoren für wirtschaftlichen Aufschwung sind. Nicht vergessen: Das Zeug ist teuer – habe ich gehört. Wo also weniger weitsichtige Kommentatoren 90 gefährdete Fahrgäste und eine abgedrängte Radfahrerin sehen, da sehe ich genau die Dynamik, die wir hier in Berlin brauchen, wenn das mit der anstehenden Olympia-Bewerbung was werden soll.

Jetzt muss ich mir schon selber auf die Finger klopfen. Was heißt hier „wenn das was werden soll“? Wir holen das Ding! Ich meine, hallo? Wir sind Berlin! Streng genommen müssten sich die Olympischen Spiele bei uns bewerben!

Um bei der Planung der besten Spiele aller Zeiten trotzdem nichts dem Zufall zu überlassen, habe ich diese Woche den „Tagesspiegel Roundtable for Olympia 2024“ ins Leben gerufen. Wahnsinn, was da für eine Stimmung war! Als ich mit Wunderkerze und Deutschlandfahne zur Gründungssitzung in den Konferenzraum jogge, stehen die Kollegen gemeinsam auf und applaudieren. Gut, ehrlich gesagt sind erst mal nur Taxi und Fatih anwesend, mein 13-jähriger Rechercheassistent – aber wenn ich unsere Euphorie auf Berlin hochrechne, dann komme ich auf Werte, dagegen wirkt London 2012 wie Bundesjugendspiele. In Erkner!

Es gibt ja diese seltenen Momente, in denen man plötzlich spürt, dass jetzt und hier etwas Großes entsteht, etwas Bedeutendes. Die erste Reaktion darauf ist immer die gleiche: Tätowierungen! Leider hat Fatih keine Einverständniserklärung seiner Eltern dabei und Taxi Angst vor Rasierern, also bedrucken wir stattdessen Mousepads mit unseren Gesichtern in den olympischen Ringen. Danach singen wir „We Are the Champions“ und ziehen durch die Redaktionsflure zum Chef, damit der uns die Titelseite für mein olympisches Manifest zur Verfügung stellt. Und dann fragt der mich, ob ich Fieber habe! Von wegen: Das ist das olympische Feuer, das in mir lodert ...

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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