Adel berichtet (29) : Total abgehoben

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mein Jungdackel Taxi und ich sind riesengroße Flugzeug-Fans. Das kleine Bett in Taxis Zimmer sieht nicht zufällig aus wie ein A380, und auf meinem Geburtstag neulich sind wir mit einem Bierbike den Flughügel von Otto Lilienthal hinabgefahren. Mehr darf ich dazu leider nicht schreiben, bevor die Versicherung geklärt hat, ob die Nordic-Walking-Gruppe nicht doch zu dunkel angezogen war.

Für Taxi und mich war jedenfalls völlig klar, dass hier in der Redaktion in Sachen Berichterstattung über die Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Ila keine Flugroute an uns vorbeiführt. Wir waren uns nur lange nicht sicher, ob der Chef das auch so sieht. Bis ich neulich einen Artikel, den ich für die Titelseite vorgeschlagen habe, unten auf der Straße wiedergefunden habe – als Papierflieger. Ab da war klar: Wir drei sind aus dem gleichen Balsaholz geschnitzt!

Als ich Freitagmorgen mit Taxi in das Bus-Shuttle zur Ila klettere, bin ich erst einmal aufgeregt. Doch kaum sind wir losgefahren, bietet mir ein russischer Kollege auch schon vertrauensvoll eine halbe Pirogge an. Während ich kaue, nickt Taxi mir zu: Die 500 Euro für die alte Aeroflotuniform haben sich definitiv gelohnt.

Unser erster Termin ist der „Astronaut’s Day“ im Space Pavillon. Wie abgesprochen binde ich Taxi die zwei Helium-Luftballons vom Airbus-Stand um den Bauch und lasse „Also sprach Zarathustra“ auf meinem iPhone laufen, während ich ihn sanft in den Raum stupse. Wie majestätisch das aussieht, als er über das Buffet gleitend meine Bewerbungsmappen verteilt!

Dann geht’s auch schon weiter zur sogenannten Drohnen-Plaza. Die unbemannten Kleinflugzeuge lassen sich inzwischen in einer Vielzahl von Branchen sinnvoll einsetzen: im Militär, in der Spionage oder einfach nur in der Abonnentenbetreuung. Gut, dass ich vorbestellt habe – mit der Perlmuttlackierung und den großen Tagesspiegel-Aufklebern sieht die Drohne gleich viel freundlicher aus als auf den Fotos in den Al-Qaida-Blogs. Gemeinsam mit Taxi ziehe ich den Mini-Flieger auf die Startbahn, keine zwei Minuten später verschwindet er am Horizont. Erste Mission: unsere heutige Tagesspiegel-Aktion „Saubere Sache“. Wenn der Chef erst mal sieht, wie unsere Drohne einen Hundehaufen nach dem anderen lokalisiert und per E-Mail samt Foto und GPS-Koordinaten an sein iPhone schickt, dann ist er sicher auch nicht sauer, dass

ich den Leasingvertrag in seinem Namen unterschrieben habe ...

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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