Adel berichtet (30) : Braune Bedrohung

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Unser Innensenator Frank Henkel ist eigentlich die Sorte Spitzenpolitiker, mit der ich gerne mal in privater Atmosphäre eine Runde Minigolf spielen würde. Aber angesichts der jüngsten Ereignisse muss ich sagen: Inzwischen ist jede Rücktrittsforderung gerechtfertigt. Dabei geht es mir gar nicht um diese künstlich hochgekochte V-Mann-Debatte. Denn mal ehrlich: Wenn die Bundesanwaltschaft behauptet, die Absprachen mit Henkel hätte es nicht gegeben, kommt uns das doch nicht zufällig bekannt vor. Wie oft passiert es, dass man klare Verabredungen mit jemandem trifft, und hinterher heißt es, ich hätte da was falsch verstanden, eine Gabriela sei unter dieser Nummer nicht zu erreichen und außerdem hätte mich niemand darum gebeten, drei Stunden vorm Brandenburger Tor zu warten ...

Nein, der wahre Skandal liegt ganz woanders. Seit Tagen ist bei Youtube ein Elefant aus dem Berliner Zoo zu sehen, der einen Touristen mit Kot beschmeißt. Mein Jungdackel Taxi hat sich in Zoo-nahen Kreisen umgehört und erfahren, dass der Elefant als Wortführer einer gentrifizierungskritischen Gruppe gilt, die die zunehmende Lärmbelastung durch Rollkoffer am Ku’damm nicht länger hinnehmen will. Ein klarer Fall linksradikaler Gewalt also. Und was tut Henkel? Nichts!

Gemeinsam mit Taxi fahre ich zum Zoo, wo wir uns mit gezücktem Presseausweis den Weg zum Elefantengehege bahnen. Während Taxi die Kamera aufbaut, werfe ich Zuckerstücke über den Graben, um den Hassprediger mit Rüssel aus seiner Terrorhöhle zu locken. Vergeblich. Noch bevor ich die Klappleiter aufbauen kann, fängt uns der Zoodirektor ab und behauptet, es hätte sich gar nicht um Kot gehandelt, sondern um Schlamm. Natürlich. Und Graffiti sind Kunst ...

Als das Wort „Platzverweis“ fällt, geben Taxi und ich vorerst nach, verlassen das Gelände und kaufen uns am Bahnhof zwei Hertha-Mützen. Während wir perfekt getarnt ein zweites Mal an der Kasse vorbeilaufen, überlege ich, wie man den Elefanten bestrafen könnte. Hinter Gittern ist er schon, und Abschieben? In Afrika liegt er auch nur faul rum. Eventuell, erkläre ich Taxi, kann der Elefant beim BER-Neubau helfen – mit dem Rüssel kann man Rauch ja auch aus schwierigen Ecken absaugen. Ich habe den Satz kaum beendet, als mir etwas Graues auf die Schulter tippt.

Zwei Minuten später stehe ich atemlos am Taxistand. Und während mir auch der dritte Fahrer die Tür vor der Nase zuschlägt, kann ich endgültig bestätigen: Es war kein Schlamm.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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