Adel berichtet (32) : Cedric der Gelackte

Stefan Stuckmann erzählt, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Hundeschule meines Jungdackels Taxi wird zwar nicht von der in die Schlagzeilen geratenen Catering-Firma Sodexo beliefert, sondern vom Adlon, aber sicher ist sicher. Diese Woche bin ich immer eine Stunde früher aufgestanden und habe dem Guten selber sein Sushi gerollt. Ich lag ja eh die ganze Nacht wach – aus Angst, im Traum könnten mir wieder diese Noroviren erscheinen, die mich und Taxi auf einem Bierbike durch die Stadt jagen.

Was für meinen besten Freund selbstverständlich ist, kann mein zweitbester Kumpel natürlich auch erwarten: Dem Chef habe ich diese Woche sein Mittagessen aus der Redaktionskantine geholt und einer prophylaktischen Erreger-Prüfung unterzogen. Weil niemand ein Mikroskop hatte, habe ich das Essen einfach auf den Kopierer gelegt, um 400 Prozent vergrößert und den Ausdruck nach Noroviren durchsucht. Kleiner Scherz. Den Job hat selbstverständlich Taxi übernommen, denn das menschliche Auge ist für solche Aufgaben gar nicht präzise genug.

Journalistisch waren wir in dieser Woche natürlich auch noch tätig: Am Sowjetischen Ehrenmal ruinieren Touristen die Panzer, indem sie ständig für ein Foto auf ihnen herumklettern. Wenn da nicht eine Undercover-Reportage drin ist! Im Baumarkt besorgen wir acht Flaschen asphaltgraue Abtönfarbe, etwas Sperrholz und einen goldfarbenen Edding. Als wir zwei Stunden später auf den selbst gebauten Sockel im Tiergarten steigen, sind wir nicht länger Cedric und Taxi, sondern „Baron Wilhelm zu Stauffenburg und sein treuer Gefährte, Jungdackel Friedrich der Samtige – Erfinder des Frühstücksbuffets“. Wir haben extra was Volksnahes genommen!

Ich helfe Taxi noch, die Unterseite seiner Pfoten mit Farbe zu bedecken, dann halten wir die Luft an. Ein junges Pärchen erscheint und beginnt eine kritische Diskussion über den Faltenwurf meines Sakkos oder den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette. Genau kann ich nicht folgen, weil eine Amsel das Datum auf meiner Breitling verstellt. Plötzlich höre ich das Geräusch eines Reißverschlusses direkt neben mir, dann wird mein Bein bereits warm und feucht. „Halt!“, will ich noch schreien, kann aber meinen Mund nicht bewegen. Festgetrocknet ...

Die letzten acht Stunden des Tages verbringe ich zu Hause unter der Dusche. Nur ich, ein paar CDs von Reinhard Mey und ein Stahlschwamm. Im Vergleich zu mir soll dieses Sowjetische Ehrenmal echt mal den Mund halten.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

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